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22.01.2026 
RETAIL Weekly by handelsjournalHDE - Handelsverband Deutschland
AUFREGER DER WOCHE
Anstehende Tarifverhandlungen: Zurückhaltung ist das Gebot der Stunde
Im April startet die Tarifrunde im deutschen Einzelhandel. Es handelt sich um eine der größten Tarifrunden in Deutschland. Bei den Verhandlungen steht sehr viel auf dem Spiel, denn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind aktuell weiter insgesamt sehr schlecht. Die Gewerkschaft muss sich jetzt auf ihre große gesellschaftliche Verantwortung besinnen. Überzogene Lohn- und Gehaltsforderungen der Gewerkschaft sind aktuell zudem völlig unangemessen und erzeugen bei den Beschäftigten nur unerfüllbare Erwartungshaltungen.
 
2026 ist ein entscheidendes Reformjahr. Um unsere Wirtschaft und den Handel nachhaltig zurück auf den Wachstumspfad zu führen, müssen die Politik und die Gewerkschaften Augenmaß beweisen und mit den Arbeitgebern an einem Strang ziehen. Denn steigende Arbeitskosten etwa durch zu hohe Tarifabschlüsse, erdrückende Bürokratie- und Regulierungslasten und weiter wachsendeSozialversicherungsabgaben sind in dieser schwierigen Lage ein regelrechter Giftcocktail, der massenhaft Arbeitsplätze im Einzelhandel gefährden kann.
 
Um es klar zu sagen: Der Handel steht ausdrücklich zur Sozialpartnerschaft, die ein sehr hohes Gut ist. Es besteht auch durchaus Grund zu der Annahme, dass die Gewerkschaften inzwischen die Dramatik der Lage für den Wirtschaftsstandort Deutschland erkannt haben. Darauf verweist zumindest der aktuelle Vorstoß von DGB-Chefin Yasmin Fahimi für ein „Bündnis für Arbeit und Innovation“ der Sozialpartner im Bundeskanzleramt. Wichtig ist aus Sicht des HDE vor allem, dass alle Akteure die verfassungsrechtlich geschützte Tarifautonomie wieder stärker in den Fokus nehmen. Denn die politisch motivierten Steigerungen des gesetzlichen Mindestlohns fressen sich immer tiefer in die Tarifwerke hinein. Das wird zunehmend zu einer schweren Hypothek für die Tarifvertragswerke aller Branchen.
 
Die Erinnerungen im Handel an die vorangegangenen, äußerst zäh und historisch langwierigen Tarifverhandlungen sind noch recht frisch. Der letzte Tarifabschluss hat den Beschäftigten in der Branche über die Laufzeit von 2023 bis 2025 insgesamt 14 Prozent Gehaltserhöhung eingebracht und damit nachweislich einen satten Reallohngewinn. Damals haben wir hoch ins Regal gegriffen und das in extrem schwierigen Zeiten für die Branche.
 
Nun ist Zurückhaltung das Gebot der Stunde: Eine vergleichbare Tariflohnsteigerung ist mit Blick auf die Krise der Gesamtwirtschaft und die immer weiter steigenden Kosten für die Arbeitgeber im Handel nicht zu schultern. Es besteht in diesem Jahr kaum noch Verteilungsspielraum, ansonsten drohen massenhaft Jobverluste in der Branche mit 3,1 Millionen Beschäftigten. Schon jetzt bewegt sich Deutschland auf einen neuen Höchststand bei den Arbeitslosenzahlen zu. Die Gewerkschaft ist nun in der Verantwortung, dem Handel keinen irreversiblen Schaden zuzufügen.
 
DIE GUTE NACHRICHT
Willkommene Debatten über telefonische Krankschreibung und Arbeitszeitgesetz
Der Krankenstand in Deutschland ist zu hoch. Während die Zahl der Krankmeldungen in vielen anderen Ländern nach der Corona-Pandemie zurückging, verharrt sie hierzulande auf einem hohen Niveau. Bundeskanzler Friedrich Merz hat dafür die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung mitverantwortlich gemacht und darüber in dieser Woche eine wichtige Debatte angestoßen. So kündigte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) am vergangenen Dienstag an, die Regelung überprüfen zu wollen. Das ist aus Sicht des HDE sehr zu begrüßen:
 
Um herauszufinden, ob die telefonische Krankschreibung mit dem Rekordkrankenstand in einem direkten Zusammenhang steht, sollte sie abgeschafft werden. Nach zwei Jahren lässt sich dann klar feststellen, ob die Zahl der Krankmeldungen zurückgegangen ist.
 
Hohe Wellen schlägt auch die berechtigte Kritik des Bundeskanzlers am zu starren Arbeitszeitgesetz, das er am liebsten streichen würde. Der HDE fordert bereits seit geraumer Zeit und wiederholt eine Flexibilisierung und Modernisierung des Arbeitszeitrechts innerhalb der Spielräume des EU-Rechts, welche Deutschland national nicht ausschöpft. Insbesondere die starren Regelungen zur täglichen Höchstarbeitszeit schwächen die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts. Es braucht hier einen Wechsel hin zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Flexible Arbeitsmodelle sind inzwischen ein zentraler Schlüssel zur erfolgreichen Fachkräftegewinnung. Zudem müssen gleichzeitig die teuren Anreize zur Frühverrentung abgeschafft werden. Wichtig ist nun, dass die Denkanstöße von Kanzler Merz Debatten befruchten und diese auch zu Ergebnissen führen.

RAT UND TAT
Merkblatt: Das Mindestlohngesetz im Fokus
Für wen gilt der Mindestlohn und welche Ausnahmeregelungen gibt es? Welche Aufzeichnungen sind vom Arbeitgeber im Zusammenhang mit den Mindestlohnansprüchen zu führen und für Prüfungen bereitzuhalten? Was bedeutet die „Bürgenhaftung“ und wie werden Rechtsverstöße als Arbeit- oder Auftraggeber sanktioniert?
 
Ein vom Expertenkreis Arbeitsrecht des HDE ausgearbeitetes, aktuelles Merkblatt beleuchtet die wichtigsten Fragen rund um den Mindestlohn samt Fallbeispielen und Hintergrundinformationen. Zentralmitglieder des HDE erhalten das Dokument gerne auf Anforderung per Mail, alle anderen Mitglieder der Handelsverbände auf Anforderung bei ihrem Landesverband.

IM GESPRÄCH
Stefan Genth
HDE-Hauptgeschäftsführer
 
Herr Genth, die SPD kritisiert hohe Lebensmittelpreise und schlägt die Einführung eines „Deutschland-Korbs“ vor, den der Handel mit vergünstigten Grundnahrungsmitteln füllen soll. Eine gute Idee?
Der Vorschlag der SPD zum Auftakt des Superwahljahrs basiert auf einer falschen Annahme. Denn in Wahrheit hat sich der Preisauftrieb bei Lebensmitteln längst deutlich verlangsamt. Während die Inflation in Deutschland im November 2025 bei 2,3 Prozent lag, stiegen die Lebensmittelpreise zuletzt nur noch um gut ein Prozent.
 
Auch wenn die Wahrnehmung in Teilen der Bevölkerung eine andere ist: Die Zeiten der Hochinflation infolge geopolitischer Krisen, Energieknappheit und gestörter Lieferketten sind vorbei. Wenn man genauer hinschaut, lässt sich erkennen, dass die Preise im vergangenen Jahr aus spezifischen Gründen teils gestiegen und gefallen sind. Alle Preisentwicklungen lassen sich marktwirtschaftlich erklären und sind meist weltweiten Mengenverknappungen oder -überschüssen geschuldet, die wiederum vielfach durch klimabedingte Ernteausfälle oder eine geminderte Nachfrage verursacht wurden. Daran kann die deutsche Politik nichts ändern. Was sie direkt beeinflussen kann, sind die Rahmenbedingungen für hiesige Unternehmen. So würde etwa eine Stromsteuersenkung für alle die Spielräume für Preissenkungen im sehr wettbewerbsintensiven Handel erhöhen.
 
Macht die Einrichtung einer staatlichen „Preisbeobachtungsstelle“, wie von der SPD ebenfalls vorgeschlagen, die Preisbildung transparenter?
Eine „Preisbeobachtungsstelle“ würde vor allem neue Bürokratie schaffen, die niemand braucht. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht im Rahmen der amtlichen Preisstatistik bereits monatlich differenzierte Daten zur Verbraucherpreisentwicklung und greift dabei auf Preisbeobachtung in den Geschäften, im Internet sowie auch auf Scannerdaten des Handels zurück. Die Ergebnisse der Verbraucherpreisstatistik sind frei verfügbar. Eine zusätzliche Form der Preisbeobachtung wäre auch angesichts tausender Artikel im Sortiment des Lebensmitteleinzelhandels mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden, ohne dabei einen zusätzlichen Nutzen zu erbringen.
 
Sollte die Politik gegen versteckte Preiserhöhungen infolge von „Shrinkflation“ vorgehen?
Sogenannte „Mogelpackungen“, die die Verbraucher über Füllmengen oder Zutaten täuschen, sind bereits heute durch das Lauterkeitsrecht gesetzlich verboten. Ein weiterer Regulierungsbedarf besteht daher nicht. Weil auf Fertigpackungen immer der Grundpreis pro Kilogramm oder Liter angegeben werden muss, können Konsumenten Preiserhöhungen erkennen und einfach Preise mit alternativen Produkten vergleichen. Berechtigter Kritik muss sich allerdings die Lebensmittelindustrie stellen, denn Füllmengen- und Zutatenveränderungen zur Gewinnoptimierung zerstören das Verbrauchervertrauen in ein Markenprodukt. Darunter leiden Handel und Verbraucher.
 

DAS WAR DIE WOCHE
 
Beim Gemeinschaftsausschuss der Gewerblichen Wirtschaft mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche machte HDE-Vizepräsident Björn Fromm die schwierige wirtschaftliche Lage, den unfairen Wettbewerb mit Drittstaatenhändlern sowie zu hohe Energiekosten deutlich.
 
In den RTL-Nachrichten zeigte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth auf, dass die gestiegenen Lebensmittelpreise Folge gestiegener Kosten bei Energie, Logistik und Personal sind.
 
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TERMINE, TERMINE
03./04.02.2026
CashCon: Bargeldwelt im Wandel
Entscheider aus Handel, Banken, Bargeldlogistik, Zahlungsverkehr und Wissenschaft kommen auf der zentralen Fachkonferenz CashCon im GS1 Germany Knowledge Center in Köln zusammen, um über die Zukunft des Bargelds vor dem Hintergrund sich verändernder Rahmenbedingungen und Konsumentenvorlieben zu diskutieren.
 
 
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11.02.2026
KI im Handel: Rechtliche Grundlagen
Mit dem Einsatz von KI gehen auch rechtliche Fragestellungen und Risiken einher, die Händler kennen und bewerten sollten. In diesem kostenlosen, einstündigen Online-Seminar des Mittelstand-Digital Zentrum Handel erklärt ein Fachanwalt für IT-Recht Grundlegendes zu den Themen Datenschutz, Haftung und KI-Verordnung.
 
 
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www.einzelhandel.de