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28.11.2025 
RETAIL Weekly by handelsjournalHDE - Handelsverband Deutschland
AUFREGER DER WOCHE
Wettbewerb im Lebensmittelhandel: Wie ein Gutachten Schlagzeilen macht
 
Im Zuge der Bauernproteste im vergangenen Jahr hatte die damalige Ampelkoalition die Monopolkommission mit der Erstellung eines Sondergutachtens zum Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette beauftragt. Seine differenzierten und zutreffenden Analysen der komplexen Wertschöpfungsketten legte das fünfköpfige Beratungsgremium am vergangenen Freitag vor – allerdings begleitet von einer reißerischen Pressemitteilung, in der es nicht um Erkenntnisgewinn, sondern vor allem um die Maximierung medialer Aufmerksamkeit geht.
 
Ohne Grundlage dramatisiert die Presseaussendung der Kommission die Marktverhältnisse zulasten des Lebensmittelhandels. Das Beratungsgremium der Bundesregierung arbeitet unabhängig, genießt Vertrauen – die einseitige Darstellung in der Mitteilung fand sich daher in den vergangenen Tagen in journalistischen Berichterstattungen und Schlagzeilen wieder. Mit diesem unfairen Nachhall muss die Branche nun umgehen. Bei der Richtigstellung hilft ein Verweis auf die Schlussfolgerungen, die das Sondergutachten selbst liefert.
 
So ist etwa der direkte wirtschaftliche Zusammenhang zwischen der heimischen Landwirtschaft und dem Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland überschaubar. Denn Verhandlungspartner des Handels sind in der Regel nicht einzelne Landwirte, sondern stark konzentrierte Agrargroßunternehmungen. Diese Tatsache stellt auch die Monopolkommission vollkommen zurecht fest. Die wichtigsten Einflussfaktoren für die Landwirte und die Preise ihrer Produkte sind vielmehr der Weltmarkt, Erntemengen und die weiterverarbeitende Industrie: Landwirte müssen mit marktstarken Schlachtern und Molkereien zusammenarbeiten, die die Verwertung steuern.
 
Wie der aktuelle HDE-Handelsreport 2025 zeigt, werden beispielsweise nur 23 Prozent des frischen Schweinefleisches über den Lebensmittelhandel verteilt, nur zwölf Prozent der Milchmenge landen als Trinkmilch in den Regalen des Handels. Insgesamt gehen 48 Prozent der Produktionsmengen der deutschen Landwirtschaft an Frischelebensmitteln wie Obst und Gemüse in den Export mit seinen volatilen Rahmenbedingungen. Die Gutachter der Kommission stellen deshalb fest, dass die Verhandlungsposition des Lebensmittelhandels gegenüber den Herstellern tendenziell überschätzt wird und dass neue Regulierungen für den Lebensmittelhandel nicht vonnöten sind. Der Wettbewerb im Lebensmittelhandel funktioniert.
 
Stattdessen empfiehlt die Kommission, die Regelungen über unfaire Vertragspraktiken in der Lebensmittellieferkette ausschließlich auf die landwirtschaftlichen Erzeuger und ihre Abnehmer anzuwenden. Staatlichen Eingriffen in die Preissetzungsautonomie der Vertragspartner erteilen die Gutachter dabei eine klare Absage. Das Märchen vom übermächtigen Handel, der die Preise bei den Landwirten drückt, um sich selbst zu bereichern, hält den von der Monopolkommission selbst ermittelten Fakten nicht stand. In dieser Debatte ist Sachlichkeit jenseits aller billigen Klischees gefragt – und genau das werden wir als HDE auch weiterhin liefern.
 
DIE GUTE NACHRICHT
Gipfel zur europäischen digitalen Souveränität sendet wichtiges Signal
Deutschland und Frankreich wollen die digitale Souveränität in Europa voranbringen. Darum luden die Digitalministerien beider Länder ihre Amtskollegen aus den EU-Mitgliedstaaten in der vergangenen Woche zu Gesprächen nach Berlin. Der Gipfel sendet ein wichtiges Signal des Aufbruchs, denn die digitale Souveränität Europas ist aus Sicht des HDE die Voraussetzung für vertrauenswürdige und wettbewerbsfähige digitale Infrastrukturen und Geschäftsmodelle in Deutschland und Europa.
 
Nun muss es darum gehen, zeitnah klare europäische Antworten auf globale digitale Herausforderungen zu finden. Europa muss Abhängigkeiten reduzieren und seine Innovationskraft durch Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien stärken. Dazu braucht es eine schlanke digitale Verwaltung, einheitliche europäische Regulierungen, europaweite Standards für verlässliche Cybersicherheit und eigene Rechenzentren sowie europäische Cloud-Lösungen. Der HDE unterstützt das Digitalministerium bei der Umsetzung von Digitalprojekten wie der EU Digital Identity Wallet. Deshalb hat der HDE gemeinsam mit anderen Verbänden auch ein entsprechendes Memorandum of Understanding unterzeichnet.
 
Zum Memorandum

RAT UND TAT
HDE-Handelsreport frische Lebensmittel
Der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland hat mit seinen mehr als 36.000 Geschäften und über einer Million Beschäftigten eine wichtige Bedeutung für die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Frischelebensmitteln. Pro Tag kommt die Branche auf 50 Millionen Kundenkontakte.
 
Der aktuelle HDE-Handelsreport frische Lebensmittel 2025 ist das Nachschlagewerk für die Branche und stellt den Lebensmittelhandel, die Wertschöpfungskette, Warenflüsse und Wettbewerbsstrukturen anhand von Kennzahlen sowie Grafiken umfassend dar. Detail-Analysen von Frischewarengruppen und Verbraucherbefragungen zum Einkaufsverhalten vervollständigen den Report.
 
HDE-Handelsreport jetzt kostenlos herunterladen

IM GESPRÄCH
Antje Gerstein
HDE-Geschäftsführerin Nachhaltigkeit und Europapolitik
 
Frau Gerstein, vor fünf Jahren hat der Bundestag das Verbot dünner Einweg-Plastiktüten beschlossen. Wie fällt die Bilanz aus?
Der Verbrauch von Plastiktüten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verringert. Dieser nachhaltige Erfolg ist vor allem auch auf die Selbstverpflichtung des Handels zur Reduzierung der Plastiktüten zurückzuführen. Denn noch bevor die gesetzliche Pflicht wirksam wurde, konnte so der Verbrauch von dünnen Plastiktüten mit einer Wandstärke zwischen 15 und 50 Mikrometern massiv gesenkt werden. Mittlerweile ist er um rund 80 Prozent zurückgegangen. Der Handel zieht mit dieser Entwicklung eine durchweg positive Bilanz.
 
Wie tragen die Verbraucher jetzt ihre Einkäufe nach Hause?
Die Alternativen für die verbotenen dünnwandigen Tüten, mit Ausnahme der „Hemdchenbeutel“ für Obst und Gemüse, sind stärkere Tüten, die mehrfach genutzt werden können. Außerdem bieten viele Händler Stoffbeutel oder andere Alternativen an, die leicht recyclebar oder wiederverwendbar sind. Die Erfahrung zeigt, dass die Verbraucher diese Alternativen gut annehmen und sie vielfach auch als Mehrwegalternativen für ihre Einkäufe nutzen.
 
Ist das der richtige Weg, um unnötige Plastikabfälle zu vermeiden? Welche Hindernisse gibt es?
Die freiwillige Selbstverpflichtung noch vor der gesetzlichen Pflicht macht deutlich, dass die Handelsbranche ihre Bemühungen in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit ernst meint. Der rückgängige Verbrauch von dünnwandigen Tüten hat schließlich gezeigt, dass diese Maßnahme ein richtiger Hebel war, um Plastik zu reduzieren. Diesen Weg gehen die Unternehmen weiter und arbeiten stetig daran, insbesondere ihre Produkte und Verpackungen nachhaltiger und besser recycelbar zu gestalten. Schwierigkeiten gibt es dabei vor allem bei der Verfügbarkeit von geeignetem Material. Die Handelsunternehmen stehen allerdings auch hier zu ihrer Verantwortung und engagieren sich weiterhin dafür, die ambitionierten Umwelt- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

DAS WAR DIE WOCHE
Beim Handelskongress Deutschland in diesem November waren auch die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und die Parteivorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Franziska Brantner als Gäste vor Ort dabei. Beide gingen in ihren Statements und Diskussionen auf die Forderungen des Einzelhandels und die Lage der Branche ein. (Fotos: Jörg Sarbach/Handelskongress)

TERMINE, TERMINE
02.12.2025
DIY Grafikdesign
Überzeugende Grafiken für Social Media, Werbeformate oder Präsentationen lassen sich schnell, günstig und ohne Designkenntnisse selbst erstellen. Ein kostenloser Online-Workshop von EDIH pro_digital und dem Mittelstand-Digital Zentrum Spreeland zeigt, wie das mit dem Online-Tool Canva in kurzer Zeit gelingt.
 
 
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05.12.2025
Klima-CO₂aching Online-Stammtisch
Die Klima-Coaches der Mittelstand-Digital Initiative stehen Händlerinnen und Händlern bundesweit für Fragen zu Nachhaltigkeitsthemen rund um Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und CO₂-Neutralität zur Verfügung. Ihr kostenloser Online-Stammtisch ist am 5. Dezember 2025 sowie am 9. und am 23. Januar 2026 geöffnet.
 
 
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www.einzelhandel.de