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05.11.2026 
RETAIL Weekly by handelsjournalHDE - Handelsverband Deutschland
AUFREGER DER WOCHE
Jugendproteste: Handel fordert Ächtung von Gewalt und Plünderungen
Wie konnte es so weit kommen? Woher rührt diese blanke Zerstörungswut? Während nach den Krawallen am Rande der friedlichen Gen-Z-Schülerproteste am Wochenende wieder Ruhe eingekehrt ist, sitzt der Schock noch tief. Vermummte Teenager, die Brandsätze auf Polizeibeamte werfen, Schaufensterscheiben eintreten und, wie in Frankfurt geschehen, sogar Geschäfte plündern – das war bislang in Deutschland undenkbar.
 
Zu Recht werden Rufe nach einer schnellen Analyse und Aufarbeitung laut. Die bestürzende Gewaltbereitschaft vereinzelter junger Menschen, die in Fußgängerzonen auf Beutezug gehen, muss Konsequenzen haben. Noch dringender ist allerdings, dass der Staat an den kommenden Wochenenden die Sicherheit aller Händlerinnen und Händler garantiert.
Es ist schon beängstigend, dass sich einige Händler an einigen Standorten am vergangenen Samstag dazu veranlasst sahen, ihre Geschäfte besonders abzusichern oder teilweise gar ganz zu schließen. Mit Sperrholz verrammelte Schaufenster und Türen erinnerten an Katastrophenszenarien. Gerade jetzt im beginnenden Weihnachtsgeschäft setzen wir darauf, dass unser Rechtsstaat funktioniert und wir uns nicht durch einzelne radikale Tätergruppen unsere freiheitliche Grundordnung nehmen lassen.
 
Dass es dann vor allem in Frankfurt auch tatsächlich zu Plünderungen kam, muss uns alle schockieren. Ein gesellschaftliches Klima, in dem man als Händler nicht immer und an jedem Ort sicher sein kann, dass man unbehelligt seinen Geschäften nachgehen kann, dürfen wir nicht dulden. Und zwar als Gesamtgesellschaft. Da sind wir alle gefordert. Wichtig ist jetzt vor allem auch, den von Plünderungen betroffenen Händlern beizustehen und zu helfen. Aus Handelssicht ist am wichtigsten, dass die Hilfen schnell und unbürokratisch erfolgen. Aus welchem Topf das Geld am Ende kommt, liegt in der Entscheidungshoheit der politischen Verantwortungsträger. In Italien und Frankreich werden in vergleichbaren Fällen offenbar sehr rasch die Täterinnen und Täter in die Entschädigungspflicht genommen. Ein solches Modell könnte auch Vorbild für Deutschland sein. Zahlreiche Unternehmen mussten zudem infolge der erzwungenen Samstagsschließung empfindliche Umsatzverluste verbuchen, die in der umsatzstarken Vorweihnachtszeit besonders schwer wiegen.
 
Ich möchte an dieser Stelle allen Sicherheitskräften danken, die am Samstag im Einsatz waren und dazu beigetragen haben, dass das an den meisten Orten alles einigermaßen glimpflich über die Bühne gegangen ist. Und trotzdem warne ich davor, jetzt einfach zur Tagesordnung überzugehen. Es muss klar sein, dass Gewalt oder ihre Androhung keinen Platz in unserem Land haben dürfen. Nicht zuletzt ist den Randalierern unmissverständlich beizubringen, dass sie nicht folgenlos friedliche politische Demonstrationen zu Chaostagen umwidmen können. Hier darf die Demokratie keine Schwäche zeigen, sondern muss ihre Wehrhaftigkeit überzeugend unter Beweis stellen.
 
 
DIE GUTE NACHRICHT
Neue Paketgebühr: Für Temu & Co wird es nicht billig
Seit dieser Woche wird für online bestellte Produkte, die aus Nicht-EU-Ländern eingeführt werden, eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr von zwei Euro pro Paket und Warenkategorie erhoben. Die Gebühr ist von den Onlinehändlern und Plattformen zu entrichten, die den Binnenmarkt seit geraumer Zeit mit qualitativ minderwertigen sowie teils gefährlichen und gesundheitlich bedenklichen Produkten aus Asien überschwemmen. Die neue Gebühr ist ein weiterer richtiger Schritt, um den Wettbewerb mit Anbietern wie Shein oder Temu ein Stück fairer zu machen.
 
Schon die im vergangenen Juli eingeführte Zollgebühr in Höhe von drei Euro pro Paket und Warengruppe für Kleinwarensendungen aus dem EU-Ausland zeigt Wirkung: Nach Angaben des französischen Zolls ging die Paketmenge seit Beginn der Maßnahme um 30 bis 40 Prozent zurück. Die sinkenden Importzahlen verbucht der HDE als Teilerfolg in seinem anhaltenden Engagement gegen den unfairen Wettbewerb aus Fernost. Nun müssen allerdings weitere Schritte folgen: So fordert der Verband schon im kommenden Jahr die vorgezogene Einführung eines EU-weiten Customs Data Hub, über den Importeure und E-Commerce Verkäufer aus Drittstaaten allen EU-Staaten ihre Zolldaten zentral mitteilen müssen.
 
Zur Studie: Temu und Shein – Impact auf die deutsche Wirtschaft

RAT UND TAT
Podcast: KI-Agenten im Handelsalltag
Wie unterscheiden sich KI-Agenten von Chatbots? Welche Aufgaben können Agenten im Handel bereits zuverlässig übernehmen und wie lassen sie sich in bestehende Systeme wie Bookingkit oder Lexware integrieren?
 
In der aktuellen Folge des „handelkompetent“-Podcasts des Mittelstand-Digital Zentrum Handel beleuchtet Daniel Quiroga, CEO von punku.ai, die Potenziale von KI-Agenten im Handelsalltag und erklärt, wie KI-Agenten Kundenanfragen verstehen, auf bestehende Unternehmenssysteme zugreifen und daraus konkrete nächste Schritte ableiten können.
 
Zur Podcastfolge

IM GESPRÄCH
Stefan Genth
Herr Genth, wie wird das Weihnachtsgeschäft?
Viele Einzelhändler leiden unter der anhaltend schlechten Konsumstimmung und den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Insgesamt erwartet der HDE für die Branche jedoch ein stabiles Weihnachtsgeschäft, das der Krise trotzen dürfte. So rechnen wir für diesen November und Dezember mit einem nominalen Umsatzplus in Höhe von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit setzen die Handelsunternehmen in den letzten beiden Monaten des Jahres insgesamt 129,2 Milliarden Euro um. Der Onlinehandel ist der HDE-Prognose nach dabei auch zum Jahresschluss der Wachstumstreiber: Er wird seine Weihnachtsumsätze um nominal 4,1 Prozent im Vergleich zu 2025 steigern, hier liegt der Umsatz dann bei 23,1 Milliarden Euro.
 
Worauf stützt sich der Optimismus?
Die Kundinnen und Kunden sind schon in Weihnachtsstimmung, das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen, vom HDE beauftragten Verbraucherumfrage des Handelsblatt Research Institutes. Demnach freuen sich 75 Prozent der Befragten schon auf Weihnachten und wollen bei den Geschenkeinkäufen im Durchschnitt 262 Euro ausgeben. Zum Vergleich: im Jahr 2025 waren es 263 Euro. Mehr als die Hälfte der Menschen will gleich viel wie im Vorjahr für die Weihnachtsgeschenke ausgeben, zehn Prozent planen mit einer Steigerung, 24 Prozent mit einer Reduzierung der Ausgaben. Besonders häufig greifen die Befragten bei der Auswahl der Weihnachtsgeschenke bei Geschenkgutscheinen, Spielwaren, Büchern, Schreibwaren und Kosmetik oder Körperpflegeprodukten zu. Wir schätzen, dass Gutscheine in diesem Jahr einen Umsatzanteil von acht Prozent im Weihnachtsgeschäft erreichen.
 
Welche Bedeutung hat der Jahresendspurt für den Handel?
Für viele Einzelhandelsbranchen hängt das Wohl und Wehe eines Geschäftsjahres von der Entwicklung in den letzten beiden Monaten ab. In der Spielwarenbranche etwa erreichen die Umsätze in November und Dezember 26,2 Prozent am Jahresumsatz. Bei den Buchhändlern sind es 23,8 Prozent und bei Unterhaltungselektronik 23,7 Prozent. Ein Blick auf die Ergebnisse unserer aktuellen HDE-Unternehmensumfrage unter 300 Handelsunternehmen in ganz Deutschland macht für den Jahresendspurt zumindest gewisse Zuversicht deutlich: Demnach gehen 29 Prozent der Händler davon aus, dass sich die Kunden auch in schwierigeren Zeiten nicht die Freude am Weihnachtseinkauf nehmen lassen. Und immerhin beinahe ein Viertel ist sich sicher, dass der Kauf von Geschenken nicht unter der schlechten Stimmung leiden wird. Allerdings überwiegt insgesamt dann doch oft der negative Blick: Der Nicht-Lebensmittelhandel sieht sich zu 56 Prozent vor einem schlechteren oder deutlich schlechteren Weihnachtsgeschäft als im Vorjahr. Die Ausgangslage ist für viele Handelsunternehmen weiter herausfordernd.
 
Weitere Informationen

DAS WAR DIE WOCHE
 
Mit dem Bundesminister für Arbeit und Soziales, Alexander Schweitzer, sprachen HDE-Präsident Alexander von Preen und HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth im Bundesministerium für Arbeit und Soziales über die aktuelle Lage des Einzelhandels und die Forderungen der Branche.
 
Bei einem Parlamentarischen Frühstück der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand zum Thema Steuern stellten die zehn beteiligten Wirtschaftsverbände den Mittelstandsmonitor 2026 vor. Vor Ort waren auch Johannes Steiniger, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, sowie einige Bundestagsabgeordnete.
 
Mehr zum Mittelstandsmonitor

TERMINE, TERMINE
18./19.11.2026
Handelskongress Deutschland
Unter dem Motto #BalancingRetail geht es beim Handelskongress Deutschland in Berlin um Fortschritt und Balance im Spannungsfeld von KI, Ökonomie und Menschlichkeit. Zu den Keynote Speakern gehören Bernd Wagner, Chief Sales Officer Schwarz Digits, Petra Scharner-Wolff, Vorstandsvorsitzende Otto Group und Peter Jelkeby, Geschäftsführer IKEA Holding Deutschland. Jetzt Tickets sichern.
 
 
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20.11.2026
KI-Recht kompakt
Mit dem Einsatz von KI gehen rechtliche Fragestellungen und Risiken einher, die Händler kennen und bewerten sollten. In einem kostenlosen, einstündigen Online-Seminar des Mittelstand-Digital Zentrum Handel beantwortet ein Fachanwalt für IT-Recht Fragen zur Umsetzung konkreter KI-Projekte, zur Datenverarbeitung, zur Klassifizierung nach Risikogruppen oder zu rechtlichen Unsicherheiten im Alltag.
 
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www.einzelhandel.de