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23.07.2026 
RETAIL Weekly by handelsjournalHDE - Handelsverband Deutschland
AUFREGER DER WOCHE
Zwischenbilanz: Jetzt nicht stehenbleiben auf dem Reformweg
Das enttäuschende Abschneiden der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft hat der Fußballbegeisterung im Land offenbar keinen Abbruch getan. So fällt die Bilanz bei den Trikotverkäufen für den Einzelhandel sogar besser aus als beim deutschen Sieg 2014 oder bei der tollen Heim-EM vor zwei Jahren. Das ist bemerkenswert und zeigt zum einen, dass die Nachfrage nach Fanartikeln heute vielfältiger und internationaler geworden ist. Zum anderen steht der Trikotabsatz für den Wettkampf-Spirit, den ein großes Sportereignis vermittelt. Das tut einer Gesellschaft gut, Olympische Spiele in Deutschland halte ich deshalb auch für eine riesige Chance. Wir brauchen hierzulande dringend mehr von diesem Spirit, um große und notwendige Strukturreformen entschlossener voranzutreiben.
 
Mit ersten Reformschritten hat die Politik inzwischen zwar den Weg in eine richtige Richtung eingeschlagen. So sind etwa die Abschaffung der Bonpflicht, die bundesweite Vereinheitlichung der LKW-Feiertagsfahrverbote, Entlastungen beim Arbeitsrecht und die Aufhebung einiger Prüfpflichten am Arbeitsplatz positive Maßnahmen, die den Handelsunternehmen helfen.
 
Doch die Maßnahmen sind nicht weitreichend genug, um den Menschen das gemeinsame Ziel vor Augen zu führen, das Anstrengungen wert ist. Stattdessen blicken Verbraucher weiterhin verunsichert auf die wirtschaftliche Entwicklung, die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz wächst und mit ihr häufig auch die Sparneigung. Für die Konsumstimmung ist dieser Mangel an Zuversicht und positiver Zukunftserzählung fatal. Seit Jahren schon fällt der private Konsum als wichtiger Impulsgeber für die Binnenkonjunktur aus. Es ist daher längst an der Zeit, dass die Verbraucher wirksam entlastet werden und unter dem Strich mehr netto vom brutto haben.
 
Von entscheidender Bedeutung ist zudem, dass die Reformen der Bundesregierung Investitionen in den Standort auslösen. Darum darf es beim Abbau von Berichts- und Dokumentationspflichten nicht länger bei Lippenbekenntnissen bleiben. Gleichzeitig erwartet der Handel, dass die im Koalitionsvertrag versprochene Senkung der Stromsteuer auf das europäisch zulässige Minimum für alle Unternehmen und die Privatverbraucher schnellstens kommt. Das ist überfällig, dabei geht es auch um ein Signal der Verlässlichkeit und der Gerechtigkeit.
 
Dazu kommen explodierende Kosten bei den Sozialversicherungen, die Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit abwürgen. Hier muss dringend ein verbindlicher Deckel bei 40 Prozent eingezogen werden, wie vom HDE immer wieder gefordert. Und statt sich in einer unnötigen, nicht zu Ende gedachten Debatte um die Abschaffung der Minijobs zu verrennen, sollten die Koalitionäre endlich die überfällige Modernisierung und Flexibilisierung des Arbeitszeitrechts angehen. Die Bundesregierung muss bei den Reformen vom Klein-Klein wegkommen, die Menschen in unserem Land warten zunehmend ungeduldig auf einen großen Wurf.
 
 
DIE GUTE NACHRICHT
Einschulung: Handel rechnet mit höherem Umsatz
Zahlreiche Schultüten wollen gefüllt sein, wenn die ABC-Schützen nach den Sommerferien ihren ersten Schultag antreten. Dafür planen Verbraucherinnen und Verbraucher in diesem Jahr rund 770 Millionen Euro auszugeben, hat eine aktuelle Umfrage des IFH Köln im Auftrag des HDE herausgefunden. Das entspricht einem Umsatzzuwachs zur Einschulung in Höhe von 6,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
 
Laut Umfrage geben knapp zwölf Prozent der Befragten an, anlässlich der Einschulung einkaufen zu wollen. Im Vorjahr waren es mit zehn Prozent spürbar weniger. Rund 87 Prozent planen, zu diesem Anlass Süßigkeiten zu kaufen. Bei 75 Prozent stehen Produkte für die Schulausstattung wie Schulranzen oder Federmäppchen auf dem Einkaufzettel. Ähnlich viele Befragte wollen Spielwaren kaufen. Gefüllt werden die Schultüten aber auch mit Büchern und Schreibwaren, zu denen fast 70 Prozent der Befragten greifen wollen. Die geplante Ausgabenentwicklung pro Person fällt im Vergleich zum Vorjahr allerdings verhaltener aus: So geben 44 Prozent der Befragten an, weniger ausgeben zu wollen als im Vorjahr; gut 30 Prozent wollen mehr ausgeben.
 
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RAT UND TAT
Plakat-Aktion: Zeichen setzen gegen Ladendiebstahl
Die Schäden durch Ladendiebstahl im deutschen Einzelhandel haben erstmals die Marke von drei Milliarden Euro überschritten, so die jüngsten Zahlen des Handelsforschungsinstituts EHI. Ein trauriger Rekord. Gleichzeitig nimmt der Anteil organisierter Kriminalität weiter zu.
 
Um stärker auf das wachsende Problem aufmerksam zu machen, stellt der HDE Händlerinnen und Händlern nun unter anderem Plakate gegen Ladendiebstahl zum kostenlosen Download und Selbst-Ausdrucken zur Verfügung. Die Motive für die Verkaufsräume sind in verschiedenen Größen erhältlich und sollen eine warnende Wirkung entfalten sowie Kunden für das Thema sensibilisieren.
 
 
Zu den Plakaten

IM GESPRÄCH
Stefan Genth
HDE-Hauptgeschäftsführer
 
Herr Genth, Bäckereien und Konditoreien können nach Ankündigung der Bundesregierung künftig sonn- und feiertags bis zu acht Stunden öffnen. Warum sollten Sonntagsöffnungen auch im Einzelhandel zumindest gelegentlich erlaubt sein?
Der Sonntag hat sich verändert. Für viele Menschen ist er ein Tag der Freizeit, an dem Gastronomie, Kultur- und Freizeiteinrichtungen selbstverständlich geöffnet sind. Der Einzelhandel hingegen bleibt im Regelfall außen vor, obwohl Einkaufen heute weit mehr ist als reine Versorgung. Shopping ist für viele Menschen Teil ihrer Freizeitgestaltung und ein wichtiger Impuls für lebendige Innenstädte.
 
Denn attraktive Stadtzentren leben vom Zusammenspiel von Handel, Gastronomie, Kultur und Veranstaltungen. Nur wenn diese Angebote gemeinsam erlebbar sind, können Innenstädte ihre Anziehungskraft entfalten, Besucher gewinnen und im Wettbewerb mit dem Onlinehandel bestehen. Das ist auch mit Blick auf die unfair agierenden Wettbewerber wie Temu und Shein wichtig. Diese Unternehmen dürfen auch sonntags ihre oft gegen unsere hiesigen Regeln und Gesetze verstoßende Ware anbieten.
 
Was fordert der HDE?
Es sollte doch zumindest möglich sein, gelegentlich eine sichere Sonntagsöffnung auf Basis der Landesgesetze anzubieten. Deshalb braucht es endlich einen verlässlichen und rechtssicheren Rahmen, und dies ohne den überholten Anlassbezug. Auch der europäische Vergleich zeigt, dass Deutschland hier unnötig restriktiv ist. In vielen EU-Staaten, darunter auch Länder mit starker christlicher Tradition, sind Sonntagsöffnungen deutlich flexibler geregelt. Zudem geht es uns hierzulande nicht um die Öffnung an allen Sonntagen, sondern um einige ausgewählte Sonntage im Jahr, erst ab 13 Uhr und damit nach den Gottesdiensten. Der Sonntag bietet genügend Raum für kirchliches Leben, Familie und einen modernen, leistungsfähigen Einzelhandel.
 
Gewerkschaften fürchten gesundheitsschädliche Belastungen für die Beschäftigten durch Sonntagsarbeit und den Verlust einer sozialen Errungenschaft…
Den Gewerkschaften sei gesagt, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfahrungsgemäß gerne bei gelegentlichen Sonntagsöffnungen dabei sind. In den meisten Fällen lässt sich der Mitarbeiterplan für eine Sonntagsöffnung auf Basis von Freiwilligkeit erstellen. Nicht zuletzt natürlich auch deshalb, weil hier tarifliche Zuschläge für Sonntagsarbeit bezahlt werden. Viele Mitarbeiter berichten zudem von einem entspannteren Umgang mit den Kunden, das Klima am Sonntag ist einfach ein anderes. Ich plädiere da ganz klar für verbale Abrüstung bei Gewerkschaften und Kirchen, niemand will den Sonntag zum normalen Wochen- oder Einkaufstag machen. Aber es muss möglich sein, sonntags rechtssicher gelegentlich aufzumachen.
 

DAS WAR DIE WOCHE
 
Vergangene Woche beriet die Jury des Deutschen Handelspreises in Berlin. Der Deutsche Handelspreis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen der Branche. Vergeben wird er in den Kategorien „Mittelstand“, „Großunternehmen“ und „Lifetime Award“. Die feierliche Preisverleihung findet am 18. November 2026 im Rahmen des Handelskongress Deutschland statt – mit Gala-Dinner und anschließender After-Show-Party.
 
Weitere Informationen
 
HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth diskutierte im Deutschlandfunk mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Roloff und Henrike Eickholt (Leiterin des Landesfachbereichs Handel bei ver.di Nordrhein-Westfalen) sowie vielen Hörerinnen und Hörern über die Regelungen zur Sonntagsöffnung.
 
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TERMINE, TERMINE
04.08.2026
Online sichtbarer werden
Welche Möglichkeiten haben kleine Unternehmen, bei Suchmaschinen weit vorne angezeigt zu werden? Wie beeinflussen KI-Tools das Suchverhalten der Kundschaft? Ein kostenloses Webinar des Mittelstand-Digital Zentrum beleuchtet Fragen, Tipps und Tricks rund um die digitale Sichtbarkeit.
 
 
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10.08.2026
WhatsApp-Business sinnvoll nutzen
Wie sich WhatsApp-Business für Handelsunternehmen sinnvoll im Kundenkontakt einsetzen lässt, erläutert ein kostenloses Webinar des Mittelstand-Digital Zentrum Handel. Es geht um Funktionen wie Schnellantworten, Labels und Kataloge sowie um Datenschutz-Grundlagen.
 
 
 
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www.einzelhandel.de