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23.05.2024 
RETAIL Weekly by handelsjournalHDE - Handelsverband Deutschland
AUFREGER DER WOCHE
Filialsterben der Banken: Kostentreiber Bargeld
In den vergangenen fünf Jahren wurden laut einer aktuellen Statistik der Bundesbank 30 Prozent der Bankfilialen in Deutschland geschlossen. Viele, vor allem jüngere Menschen bemerken die rapide sinkende Zahl der Bankfilialen oder den Abbau von Geldautomaten hierzulande kaum. Onlinebanking ist bequem, und spätestens seit der Corona-Pandemie zahlt man auch im Land der Barzahler immer häufiger kontaktlos per Karte oder Smartphone. Wer Bargeld benötigt, hebt sich einfach beim Bezahlvorgang an einer Ladenkasse im Einzelhandel welches ab. So geht guter Service!
 
Doch dieser Kundenservice kommt viele mittelständische Handelsunternehmen mittlerweile teuer zu stehen. Während die Banken mit jeder geschlossenen Filiale ihre Bargeld-Infrastruktur entlasten und gesellschaftliche Verantwortung einsparen, wächst dem Handel mehr und mehr die branchenfremde Aufgabe der Bargeldversorgung in Deutschland zu. Für die Versorgung mit Wechselgeld und die Entsorgung der Bargeldeinnahmen sind Händlerinnen und Händler aber auf eine Bank vor Ort angewiesen. Lange Wege zur nächstgelegenen Filiale oder gar die Beauftragung eines Wertdienstleisters erhöhen den Aufwand für die Bargeldlogistik gerade in ländlichen Gebieten beträchtlich.
 
Die Zunahme von Kartenzahlungen sowie die wachsende Nachfrage nach Bargeldauszahlungen im Geschäft ist für den Handel mit weiteren Herausforderungen verbunden. Laut EHI werden inzwischen 61,8 Prozent des Umsatzes über Kartenzahlungen abgewickelt. Bargeldzahlungen sorgen nur noch für 35,5 Prozent des Umsatzes, was im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang um zwei Prozent entspricht. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Der Handel bezahlt somit steigende Entgelte für Kartenzahlungen, die hinter den Bar-Transaktionen liegen, und er trägt mindestens gleichbleibende Handling-Gesamtkosten für die Bearbeitung von immer weniger Bargeld.
 
So geht es nicht weiter! Die kartenherausgebenden Banken sollten bei Bargeldauszahlungen auf die Händlerentgelte verzichten. Schließlich springt der Handel ein für die Banken, die ihre Dienste nicht mehr flächendeckend gewährleisten wollen. Im Rahmen des kürzlich durch die Bundesbank einberufenen nationalen Bargeldforums gilt es, gemeinsam Effizienzpotenziale zu heben und an die Rolle der Banken innerhalb der Bargeldversorgung zu erinnern – gerade im Hinblick auf ihre Händlerkunden.
 
DIE GUTE NACHRICHT
Branche erwartet zur Heim-EM zusätzlichen Milliarden-Umsatz
König Fußball regiert vom 14. Juni bis 14. Juli in Deutschland. Neben spannenden Spielen rechnet der Einzelhandel zur Europameisterschaft mit zusätzlichen Umsätzen in Höhe von 3,8 Milliarden Euro.
 
Umsatzimpulse setzt das sportliche Großereignis etwa im Bereich Lebensmittel, zeigt eine repräsentative Umfrage von HDE und Appinio. Rund 41 Prozent der Befragten planen den Kauf von Snacks, Grillgut, Getränken und weiteren Lebensmitteln.
 
Zu Fanartikeln wie Schals, Fahnen und Dekoartikeln greifen 31 Prozent. Auch bei Sportartikeln, Produkten aus dem Bereich Wohnen und Garten, Spielwaren sowie Elektronik sind positive Umsatzeffekte zu erwarten.
 
Das Interesse an der Heim-EM ist riesig: Nahezu 70 Prozent der Befragten planen, möglichst alle oder ausgewählte Spiele des Turniers zu verfolgen. Von den Fans, die zur EM Ausgaben tätigen wollen, planen die meisten (32 Prozent) zusätzliche Einkäufe in Höhe von 101 bis 200 Euro. 28 Prozent gehen von Ausgaben zwischen 51 und 100 Euro aus, während acht Prozent mehr als 500 Euro ausgeben wollen. Wenn es der Nationalmannschaft im Turnierverlauf gelingt, sich in die Herzen der Fans zu kicken, dürfte die Konsumstimmung weiter steigen. Die Daumen sind gedrückt!
 
Mehr unter https://einzelhandel.de/fussball

RAT UND TAT
Leitfaden: Wie werden wir klimaneutral?
Der Einzelhandel bekennt sich zum Klimaschutz, trägt seinen Teil bei und spart Treibhausgase ein. Die Motivation dafür ist vielfältig: Neben dem Nachhaltigkeitsgedanken spielen auch Wettbewerbsdruck, geänderte Kundenerwartungen, hohe Energiepreise, das Unternehmensimage und sich ändernde rechtliche Grundlagen eine Rolle.
 
Der kostenlose Leitfaden für Einzelhandelsunternehmen „Wie werden wir klimaneutral?“ der Klimaschutzoffensive des Handels erklärt Fachbegriffe, stellt Zertifikate vor und zeigt anhand von fünf Stufen, wie es auch kleinen und mittelständischen Betrieben gelingt, den unternehmenseigenen Klimaschutz wirksam zu managen.
 
Zum Leitfaden

IM GESPRÄCH
Antje Gerstein
Geschäftsführerin Europapolitik und Nachhaltigkeit
 
Frau Gerstein, der Einzelhandel droht von der schieren Masse europäischer Verordnungen und Richtlinien erdrückt zu werden. Wie muss die nächste EU-Kommission gegensteuern?
Wir haben in den vergangenen fünf Jahren einen beispiellosen, teilweise ideologisch geprägten regulativen Tsunami erlebt. Das darf sich nicht wiederholen, denn die Unternehmen haben vor lauter Nachweis- und Berichtsanforderungen mittlerweile kaum noch Luft, um in ihre Zukunftsfähigkeit zu investieren.
Die Unternehmen brauchen Planungs- und Rechtssicherheit. Die EU-Kommission kommt aber nicht damit hinterher, im Rahmen der sogenannten Sekundärgesetzgebung Leitlinien oder Durchführungsrechtsakte festzulegen, die zur konkreten Umsetzung der EU-Regulierungen in den 27 Mitgliedsstaaten notwendig sind. Darum steht zu befürchten, dass viele europäische Rechtsakte der letzten fünf Jahre noch die Gerichte beschäftigen werden. Die EU-Gesetzgebung muss in Zukunft effektiver, transparenter und abgestimmter erfolgen.
 
Wie kann das gelingen?
Die Mehrheit der EU-Gesetze wird in informellen Treffen zwischen Kommission, Parlament und Ministerrat verhandelt. Dieses Trilogverfahren als Abkürzung des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens ermöglicht zwar eine schnellere Verabschiedung von Rechtsakten, lässt aber hinsichtlich Transparenz und Gründlichkeit viele Wünsche offen. Triloge sollten daher nur in Ausnahmefällen stattfinden und für Beobachter und Sozialpartner transparent sein. Zudem muss die Kommission sicherstellen, dass Vertragsverletzungsverfahren unbeirrt durchgeführt werden. Regierungen, die ihre Märkte unfair abschotten wollen, müssen mit Konsequenzen rechnen. Wichtig zur Fehlervermeidung wäre es auch, wenn die Kommission ihrem eigenen Ausschuss für Regulierungskontrolle mehr Beachtung schenken würde.
 
Wie bewerten Sie die Chancen und Risiken einer KI-Regulierung in Europa?
Für den Handel spielt KI eine große und wachsende Rolle, vor allem in Logistik- und Transportprozessen sowie in der Produktoptimierung und Kundenberatung. Mit dem AI-Act setzt die EU wichtige Leitplanken zu diesem Thema. Nun kommt es darauf an, einen rechtssicheren und innovationsfreundlichen Rechtsrahmen zu entwickeln, der Wettbewerbsfähigkeit gewährleistet und bürokratische Überregulierung vermeidet. Es darf nicht passieren, dass in der EU ein Flickenteppich bei der Regulierung dieser zentralen Zukunftstechnologie entsteht.
 
Mehr zur Europawahl und dem Einzelhandel

DAS WAR DIE WOCHE
Bei einem parlamentarischen Frühstück des HDE zur Lebensmittellieferkette waren unter anderem Dr. Ophelia Nick, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft und Bundestagsabgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen, sowie Max Straubinger, CSU-Bundestagsabgeordneter, zu Gast.

TERMINE, TERMINE
04.06.2024
Workshop: Nachhaltigkeit kommunizieren
Zu einer erfolgreichen Nachhaltigkeitsstrategie gehört die effektive Kommunikation der umgesetzten Maßnahmen. Die Nachhaltigkeitskampagne handel.eco des Handelsverbands Hessen veranstaltet dazu einen kostenlosen Workshop mit einer Kommunikationsexpertin, die anhand von Praxisbeispielen Tipps und Ideen vermittelt.
 
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04.06.2024
Webinar: Interaktionskonzepte am Point of Sale
Wie können innovative Interaktionskonzepte das Kundenerlebnis am PoS verbessern? Ein kostenloses Online-Seminar des Mittelstand-Digital Zentrum Handel stellt die wichtigsten aktuellen Entwicklungen und technischen Umsetzungsmöglichkeiten vor und zeigt, wie digitale Technologien effektiv am PoS eingesetzt werden.
 
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13.06.2024
#Handelsfankurve: Kick-off zur EM
Zum Start der Fußball-EM lädt der HDE Geschäftsinhaber und Beschäftigte aus dem Einzelhandel ein, sich unter dem Hashtag #Handelsfankurve mit kreativen Handy-Videos stimmungsvoll einzubringen. Die Aktion wird in den sozialen Medien ausgespielt. Werden Sie Teil der bunten Fankurve des Handels! Einsendeschluss ist der 13.6.2024.
 
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19.09.2024
Gesucht: Das Gesicht des Handels 2024
Mit dem Preis für das Gesicht des Handels würdigt der HDE exemplarisch die Rolle der Beschäftigten im Einzelhandel; bewerben können sich Angestellte und Auszubildende. Als Preis winken eine Reise für zwei Personen zum Handelskongress in Berlin, Hotelübernachtungen und 1000 Euro Taschengeld. Bewerbungen bitte bis zum 19.09.
 
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www.einzelhandel.de