Klicken Sie hier für die Online-Version
13.08.2026 
RETAIL Weekly by handelsjournalHDE - Handelsverband Deutschland
AUFREGER DER WOCHE
Einkommensteuerreform und Bonpflicht – schlechte Nachrichten aus dem Finanzministerium
In den letzten Tagen sorgte der Bundesfinanzminister gleich zweimal für schlechte Nachrichten für den Einzelhandel: Bei der Reform der Einkommensteuer und bei der Neuregelung der Bonpflicht. Beide Male hat der Minister die Rechnung ohne den Mittelstand gemacht. So bleiben die zahlreichen Bekenntnisse zum Mittestand und seiner wichtigen Funktion für die gesamte deutsche Wirtschaft leider wirkungslos.
 
Was ist passiert? Nun, der Finanzminister hat seine Pläne für die lang angekündigte Reform der Einkommensteuer vorgelegt. Dabei sieht er auch eine deutliche Anhebung der Einkommensteuer in den oberen Bereichen vor. Damit erhöht er faktisch die Einkommensteuer für viele Personenunternehmen, die den größten Teil der mittelständischen Unternehmen im Einzelhandel ausmachen. Und das, obwohl gerade die vielen mittelständischen Handelsunternehmen sich vielerorts in einer schwierigen Situation befinden. Kosten steigen, Umsätze stagnieren oder sinken.
 
Da kann es doch nicht sein, dass der Finanzminister jetzt auch noch über die Einkommensteuer für noch mehr Belastungen bei diesen Betrieben sorgen will. Das darf nicht das letzte Wort zu diesem Thema gewesen sein. Es kommt übrigens hinzu, dass die Reform gleichzeitig auch in keiner Weise die Verbraucher spürbar entlastet. Im kommenden Jahr soll das Entlastungsvolumen drei Milliarden Euro betragen. Rein rechnerisch hat dann jeder Haushalt in Deutschland monatlich rund sechs Euro mehr. Das ist alles andere als ein großer Befreiungsschlag, das ist der schwierigen wirtschaftlichen Lage nicht angemessen.
 
Und auch bei der Bonpflicht sieht es nicht gut aus. Dabei war die Ausgangslage eindeutig: Im Koalitionsvertrag steht unmissverständlich, dass die Bonpflicht abgeschafft wird. Doch nun ist plötzlich alles anders: Die Bundesregierung plant zwar, die Pflicht zur Ausgabe von Kassenzetteln auf Papier zum 1. Januar 2028 abzuschaffen. Stattdessen soll nun die Ausgabe digitaler Belege verpflichtend werden. Das ist ein klarer Wortbruch der Politik. Die Bonpflicht muss wie versprochen vollständig entfallen, alles andere beschädigt das Vertrauen in die Politik massiv. Ganz davon abgesehen, dass die nun angestrebte digitale Bonpflicht auch deutliche finanzielle Auswirkungen auf viele Händler hätte. Es drohen erhebliche Investitionen in Kassensysteme, und das in einer wirtschaftlich ohnehin angespannten Situation. Zwar verfügen moderne Kassensysteme teilweise bereits über die technischen Voraussetzungen für die Ausgabe digitaler Belege. Gerade bei älteren oder einfacheren Systemen ist jedoch häufig eine Nachrüstung erforderlich. Es muss geprüft werden, ob die vorhandenen Kassensysteme die für einen digitalen Beleg notwendigen Daten überhaupt elektronisch ausgeben können. Ist das nicht der Fall, reicht eine Nachrüstung möglicherweise nicht aus. Dann könnte die Anschaffung eines neuen Kassensystems erforderlich werden.
 
Jetzt muss sich beweisen, dass die Bundesregierung es ernst meint, wenn sie über die Stärkung des Mittelstands spricht. Sowohl die vorgelegten Pläne für die Reform der Einkommensteuer als auch die drohende digitale Bonpflicht stimmen da leider pessimistisch. Hier muss eine 180-Grad-Kehrtwende her. Der HDE bleibt dran und setzt sich weiterhin für die Interessen des Mittelstands ein.
 
DIE GUTE NACHRICHT
Lkw-Sonntagsfahrverbot wird in einigen Bundesländern gelockert
Das anhaltende Niedrigwasser auf zahlreichen Flüssen in Deutschland beeinträchtigt die Binnenschifffahrt und führt dazu, dass Transporte verstärkt auf Schiene und Straße verlagert werden. So sollen Engpässe vermieden und Verzögerungen bei der Versorgung möglichst gering gehalten werden. Dabei rückt auch die schon lange vom HDE geforderte Aufhebung des Lkw-Sonntagsfahrverbots in den Fokus. Mehrere Bundesländer haben
das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lastwagen bereits gelockert oder entsprechende Ausnahmen beschlossen. Dazu gehören unter anderem Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, das Saarland, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Weitere Bundesländer prüfen entsprechende Maßnahmen.
 
Aus Sicht des Handels ist es richtig, zusätzliche Transportkapazitäten auf der Straße zu ermöglichen. Die Lockerung des Sonntagsfahrverbots kann dabei jedoch nur ein erster Schritt sein. Wichtig wäre nun, auch den Einsatz von allen Lang-Lkw dauerhaft und umfassender zu ermöglichen. Die Fahrzeuge können deutlich mehr Ladung als gewöhnliche Lastwagen transportieren. Zwei längere Einheiten des sogenannten Lang-Lkw können bis zu drei konventionelle Lkw-Einheiten ersetzen und somit auch den Energie- und Personaleinsatz senken sowie den CO2-Ausstoß um bis zu 25 Prozent reduzieren.

RAT UND TAT
Themenwoche IT-Sicherheit im Handel
Digitale Anwendungen sind längst ein fester Bestandteil des Alltags von Handelsunternehmen. Von Cloud-Lösungen über Warenwirtschaftssysteme bis hin zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz – digitale Technologien bieten Händlern neue Möglichkeiten, stellen sie jedoch gleichzeitig vor neue Herausforderungen.
 
Eine zentrale Voraussetzung für digitale Souveränität ist die eigene IT-Sicherheit. Die kostenfreie Reihe „IT-Sicherheit im Handel“ vom 24. bis 28. August 2026 bietet anhand von insgesamt fünf Webinaren spannende Impulse und Einblicke – vom Einsatz von KI in der Cybersicherheit über die Kernbestandteile des Cyber Resilience Act bis hin zu Cyberversicherungen und der Vermeidung von Social-Media-Hacks und -Sperrungen.
 
Weitere Informationen und die kostenfreie Anmeldung zu den einzelnen Webinaren

IM GESPRÄCH
Stefan Genth
Herr Genth, worum geht es bei der seit gestern geltenden EU-Verpackungsverordnung eigentlich?
Die EU-Kommission verfolgt mit der EU-Verpackungsverordnung PPWR hehre Ziele: So soll der Verpackungsmüll reduziert werden und die Recyclingquote steigen. Das sind gute und unterstützenswerte Anliegen. Der Einzelhandel ist deshalb ja auch bereits seit vielen Jahren dabei, Verpackungen auf das Nötigste zu beschränken. Dabei experimentiert die Branche mit immer neuen Materialien und Recyclingkonzepten. Wir unterstützen ausdrücklich die Ziele der
Abfallvermeidung und der Wiederverwertung, insbesondere als wesentlicher Akteur in der Kreislaufwirtschaft.
 
So weit, so gut – warum ist die Aufregung um diese Verordnung nun so groß?
Die EU-Kommission hat aus einer guten Idee ein Monstrum gemacht. Für viele Unternehmen sind noch wesentliche Fragen hinsichtlich der Zuständigkeiten und ihrer Pflichten offen. Die wiederholten Klarstellungsversuche der EU-Kommission haben für viele neue Unklarheiten gesorgt. So können die Unternehmen nicht arbeiten. Wir brauchen verlässliche und rechtssichere Vorgaben, die eindeutig umsetzbar sind. Unklarheiten bestehen insbesondere bei der jetzt getroffenen Klassifizierung von Verpackungsmaterialien und der Zuschreibung von Zuständigkeiten. Für die Produzenten des Verpackungsmaterials ist nicht ersichtlich, welcher Art von Verpackung das Rohmaterial am Ende zugerechnet wird – dadurch bleibt unklar, wer verantwortlich für die entsprechende Lizenzierung und Konformitätserklärung ist. Die Vorgaben der Kommission zu den Verpackungsmaterialien machen somit eine klare Zuordnung der Verantwortlichkeiten nahezu unmöglich. Insgesamt hat die EU-Kommission an dieser Stelle für enorme Unsicherheit im Markt gesorgt. Das ist ein Paradebeispiel für schlechte Gesetzgebung.
 
Was fordert der HDE?
Die zuständigen Behörden auf Bundes- und Landesebene müssen bei Kontrollen und Vollzug die besonderen Herausforderungen für die Unternehmen berücksichtigen. Die Unternehmen dürfen am Ende nicht die Leidtragenden einer von der EU-Kommission vermurksten Verordnung sein.

DAS WAR DIE WOCHE
 
Mit WELT TV sprach HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth über die Auswirkungen der niedrigen Pegelstände an einigen großen Wasserstraßen in Deutschland auf die Logistik. Das Interview gibt es hier nachzuschauen:
 
Zum Beitrag
 
Bei ntv sprach HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth über die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR und machte die Kritik des Handels deutlich.
 
 

TERMINE, TERMINE
19.08.2026
KI in 30 Minuten
Künstliche Intelligenz ist gerade für den Mittelstand oft ein Buch mit sieben Siegeln. Ein kostenloses Webinar des Mittelstand-Digital Zentrum Handel zeigt, welches Potenzial die Nutzung von Künstlicher Intelligenz hat, um viele Herausforderungen im mittelständischen Handel effizient zu lösen.
 
 
mehr...
27.08.2026
Webinar für den Textilhandel: ReStock-Optimizer bei Engelhorn
Die Anforderungen an ein effizientes Bestandsmanagement steigen: Hohe Kapitalbindung, steigende Kosten und eine immer größere Komplexität im Warengeschäft verlangen nach datenbasierten Entscheidungen. Mit dem ReStock-Optimizer hat hachmeister + partner eine KI-gestützte Lösung entwickelt, die Mindestbestände für wiederbeschaffbare Artikel dynamisch optimiert. Das Webinar findet in Kooperation mit dem BTE statt, die Teilnahme ist kostenlos.
 
mehr...
 
www.einzelhandel.de