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12.03.2026 
RETAIL Weekly by handelsjournalHDE - Handelsverband Deutschland
AUFREGER DER WOCHE
Tarifrunde: Gewerkschaftsforderungen stehen im Widerspruch zur Realität
Trotz drohender Arbeitsplatzverluste und existenzieller Sorgen vieler Unternehmen im Einzelhandel ist ver.di in der vergangenen Woche mit unverhältnismäßig hohen Forderungen in die Tarifrunde gestartet.
Die Beschlüsse von Verdi in den Tarifbezirken Saarland und Rheinland-Pfalz sind überzogen und könnten damit unserer Branche in wirtschaftlich außerordentlich schwierigen Zeiten unnötigen Schaden zufügen.
 
So verlangt die Gewerkschaft dort auf einen Schlag 225 Euro mehr Lohn und Gehalt für die Beschäftigten, und das bei einer Laufzeit von nur zwölf Monaten. Bezogen auf das Eckgehalt für Verkäuferinnen und Verkäufer im Saarland und in Rheinland-Pfalz, entspräche dies einer prozentualen Tariferhöhung um sieben Prozent. In den unteren Entgeltgruppen lägen die prozentualen Steigerungen sogar bei knapp zehn Prozent. Auch die Auszubildendenvergütungen sollen nach dem Willen der Gewerkschaft kräftig steigen, und zwar um 150 Euro monatlich. Dies entspräche im ersten Ausbildungsjahr dann prozentualen Steigerungen von mehr als 13 Prozent.
 
Um die Unverhältnismäßigkeit der Forderungen zu verdeutlichen: Wenn man die von ver.di aufgerufenen Einkommenssteigerungen im Saarland und in Rheinland-Pfalz deutschlandweit umsetzen müsste, würde das bei den Unternehmen rund 3,3 Milliarden Euro zusätzlicher Kosten auslösen. Das wäre für die Branche finanziell schlicht nicht mehr tragbar. Es hat den Anschein, dass die Gewerkschaft nicht wirklich einsehen will, dass die Umsätze im Einzelhandel nicht in dem Maß steigen, wie die Kosten wachsen. Auch im Tarifgebiet Bayern im Einzelhandel sind inzwischen vergleichbare Gewerkschaftsforderungen eingegangen. Dort fordert die Gewerkschaft ver.di aber ergänzend zudem nun auch noch eine „Erhöhung der unteren Beschäftigtengruppen und Löhne auf ein rentenfestes Mindesteinkommen von 14,90 € in der Stunde“. In Hessen ist gestern auch die Gewerkschaftsforderung eingegangen, hier fordert ver.di nun sogar 250 Euro monatlich mehr, was gemessen am Verkäufereckgehalt dort einer Steigerung um rund 7,8 % entspricht.
 
Bereits vor Ausbruch des akuten kriegerischen Konflikts im Iran kämpften die Arbeitgeber im Einzelhandel mit seit Jahren stagnierenden Umsätzen sowie mit explodierenden Kosten in Bereichen wie Energie, Wareneinkauf, Logistik und auch Personal. Diese Probleme werden sich wegen der aktuellen Konfliktlage auf unbestimmte Zeit eher noch verschlimmern. Hinzu kommen die stetig steigenden Sozialversicherungsbeiträge und die erdrückende Bürokratie- und Regulierungslast, die den Faktor Arbeit immer noch weiter verteuern. Und nicht zu vergessen: Der gesetzliche Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro brutto pro Stunde, dies entspricht einer Steigerung seit seiner Einführung im Jahr 2015 um dann rund 72 Prozent.
 
Der Handel appelliert deshalb erneut an das Verantwortungsbewusstsein der Gewerkschaft, nicht unnötig massenhaft Arbeitsplätze aufs Spiel zu setzen. Viele Handelsunternehmen können die Kosten schon heute kaum noch stemmen. Schließlich hat der letzte Tarifabschluss den Beschäftigten im Einzelhandel über die Laufzeit von 2023 bis 2025 bereits insgesamt 14 Prozent Gehaltserhöhung und damit auch einen ordentlichen Reallohngewinn ermöglicht. Was wir jetzt brauchen, ist Zusammenhalt und Realitätssinn, um gemeinsam die Zukunftsfähigkeit der Branche sowie Arbeitsplätze zu sichern.
 
 
DIE GUTE NACHRICHT
Stores of the Year 2026: Die Nominierten stehen fest
Wieder einmal beweist der Einzelhandel seine Kreativität und Innovationskraft durch sehenswerte Neueröffnungen und Umbauten: Im Rahmen des HDE-Wettbewerbs Stores of the Year zeigt die Branche, wie zukunftsorientiert sie auch unter schwierigen Rahmenbedingungen ist.
 
Aus zahlreichen Einreichungen hat die Fachjury (Foto) nun die Nominierten für die diesjährigen Awards ausgewählt:
 
In der Kategorie Fashion konkurrieren Ansons Überseequartier (Hamburg) und Boutique Paderborn (Paderborn) und & Other Stories (Hamburg). Um den Award im Segment Concept Store/Out of line bewerben sich Das Eppli-Haus (Stuttgart), Reuffel Spielraum (Koblenz) und Steinway & Sons Flagshipstore (Stuttgart), Bei Home/Living stehen die Unternehmen Jordan (Waldshut-Tiengen) und nähPark Live Store (Cham) zur Auswahl. In der Kategorie Food heißen die Nominierten Edeka Popko (Braunschweig), Rewe Gödecke (Bottrop-Kirchhellen) und tegut Schlachthalle (Weimar). Und in der Sparte Beauty & Health konkurrieren Douglas Flagship Store (Köln), Kind Store (Osterode) und Satisfyer | Geske (Berlin).
 
Die große Bühne für die herausragenden Einzelhandelskonzepte bietet der Handelsimmobilienkongress in Berlin: Am 24. März werden dort die Nominierten geehrt und die Preisträger verkündet.
 
Weitere Informationen

RAT UND TAT
Selbstlerneinheiten zum Thema KI im Handel
Was bedeutet IT-Sicherheit für mein Unternehmen? Wie unterstützt KI-Technologie mein Kundendatenmanagement? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten für den Einsatz von KI? Das Mittelstand-Digital Zentrum Handel bietet ein neues Informationsangebot in Form von themenspezifischen Selbstlerneinheiten und „Wissensnuggets“, um diese und weitere Fragen zu klären.
 
Die kompakt gefassten Inhalte befassen sich mit Themen aus dem Handelsalltag, wie etwa dem Einsatz generativer KI, IT-Sicherheit, Payment oder Social Commerce. Am Ende jeder der kostenfrei zur Verfügung stehenden Lerneinheiten können Nutzer ihr neues Wissen in einem kurzen Quiz überprüfen.
 
Zum Lernangebot

IM GESPRÄCH
Stefan Genth
HDE-Hauptgeschäftsführer
 
Herr Genth, vor wenigen Tagen feierte die Allianz für den freien Sonntag ihr 20-jähriges Bestehen. Was ist aus Sicht des Handels von diesem Jubiläum zu halten?
20 Jahre Fortschrittsverweigerung, das ist wahrlich kein Anlass zum Jubel. Es ist traurig und keine gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort Deutschland, dass sich die Allianz für den freien Sonntag und insbesondere die Gewerkschaft ver.di als ein wesentlicher Treiber in diesem Bündnis nun schon seit zwei Jahrzehnten gegen zeitgemäße gelegentliche Sonntagsöffnungen im Einzelhandel stemmen.
 
Wir brauchen das Gegenteil: Einkaufen ist für viele Menschen heutzutage mehr als nur Versorgung. Shopping ist längst Teil der Eventkultur und auch ein Spaß für die ganze Familie, besonders auch an Sonntagen. Schaut man zudem auf die oft schwierige Lage des Einzelhandels in vielen Innenstädten, wird klar: Wir brauchen aktuell die gelegentliche und verlässliche Sonntagsöffnung für die Geschäfte in Deutschland mehr denn je.
 
Was werfen Sie der Sonntagsallianz vor?
Die gewerkschaftliche Totalverweigerung beim Thema Sonntagsöffnungen richtet großen Schaden an. Die seit einigen Jahren gängige Praxis des kurzfristigen Wegklagens bereits genehmigter Sonntagsöffnungen durch die Gewerkschaft darf sich nicht fortsetzen. Die Unternehmen bleiben anschließend auf den Kosten für bereits geschaltete Werbung und für das eingeplante Personal sitzen. Diese mangelnde Rechtssicherheit ist den Handelsunternehmen nicht weiter zuzumuten. Das muss auch die Allianz für den freien Sonntag endlich einsehen und ihre destruktive Einstellung aufgeben. Vielmehr sollte es darum gehen, gemeinsam mit dem Handel für attraktive und lebendige Städte zu kämpfen. Das ist eine Aufgabe von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung, bei der uns verengtes, aus der Zeit gefallenes Lagerdenken nicht weiterbringt.
 
Selbst Smart Stores sollen nach dem Willen des Bündnisses sonntags geschlossen bleiben…
Diese Haltung ist geradezu absurd. Denn Smart Stores müssen an Sonntagen ganz ohne den Einsatz von Personal auskommen. Sonntagsarbeit ist bei den Smart-Stores also kein sachlich relevanter Aspekt. Sie sind vielmehr eine gute Alternative insbesondere im ländlichen Raum, um dort die Versorgung der Bevölkerung zu sichern und auch die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse perspektivisch zu gewährleisten. Die Sonn- und Feiertagsruhe wird durch Smart-Stores auch nicht unverhältnismäßig gestört. Hier geht es also nicht um Sonntagsarbeit, sondern um ein neues innovatives Unternehmensmodell. Für die Betreiber sind diese Stores aufgrund des reduzierten Warenumsatzes allerdings nur dann betriebswirtschaftlich tragfähig, wenn sie sieben Tage die Woche öffnen dürfen. Die Digitalisierung der Vertriebswege wird wegen des zunehmenden Personalmangels zudem weiter an Bedeutung gewinnen müssen. Hier sollte ver.di schnell über den eigenen Schatten springen und erkennen, dass diese Konzepte ein wichtiger Teil der flächendeckenden Nahversorgung in den ländlichen Regionen sein können.

DAS WAR DIE WOCHE
 
Beim Wirtschaftsforum der SPD sprach HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und nahm an einer Podiumsdiskussion zur Zukunft des Handels teil. (Foto Diskussion: Harald Fuhr)

TERMINE, TERMINE
19.03.2026
Algorithmen auf Social Media
Unter welchen Gesichtspunkten bewerten „soziale Algorithmen“ Inhalte von Posts? Dieser Frage geht ein kostenloses Online-Seminar des Mittelstand-Digital Zentrum Handel nach. Teilnehmende erfahren, wie sie ihre Botschaften algorithmusgerecht planen, um mehr Sichtbarkeit, Reichweite und Interaktion zu erzielen.
 
 
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27.-29.04.2026
World Retail Congress in Berlin
Die zentrale internationale Plattform für führende Entscheidungsträger des Handels findet in diesem Jahr in Berlin statt. Teilnehmende erwartet ein dreitägiges Kongressprogramm mit richtungsweisenden Keynotes, exklusiven Studien sowie vertraulichen Peer-to-Peer-Gesprächen.
 
 
 
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www.einzelhandel.de