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19.03.2026 
RETAIL Weekly by handelsjournalHDE - Handelsverband Deutschland
AUFREGER DER WOCHE
Mangelhaftes Matching: Azubis und Betriebe müssen wieder zusammenfinden
Der Einzelhandel gehört zu den ausbildungsstärksten Branchen in Deutschland, hat eine breite Auswahl an Tätigkeiten und Berufsbildern zu bieten und in kaum einem anderen Wirtschaftszweig stehen nach dem Berufsstart so viele Karrierechancen offen. Trotzdem gelingt es Handelsunternehmen immer seltener, alle offenen Stellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen, zeigen aktuelle Ausbildungsvertragszahlen der DIHK. Das Erfolgsmodell duale Ausbildung im Einzelhandel gerät zunehmend unter Druck.
 
Dass Azubis und Betriebe allzu oft nicht mehr zusammenfinden, ist kein handelsspezifisches Phänomen. Nahezu alle Branchen haben mit ähnlichen Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Vielmehr spiegelt der Mangel gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, die im Hinblick auf eine nachhaltige Fachkräftesicherung in die völlig falsche Richtung laufen.
 
Zum einen gibt es, demografisch bedingt, weniger Schulabgänger. Von diesen verlassen mehrere Zehntausend Jahr für Jahr die Schule ohne Abschluss. Viele Handelsunternehmen berichten von Bewerberinnen und Bewerbern, die Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke vermissen lassen – soziale Kompetenzen, die gerade im Einzelhandel die Basis für eine erfolgreiche Ausbildung bilden. Zum anderen haben Abiturienten häufig die falsche Vorstellung, dass nur ein Studium den Weg zum gutdotierten Job ebnet. Mehr als ein Drittel von ihnen bricht das begonnene Universitätsstudium jedoch wieder ab.
 
Um das Matching zu verbessern, zeigt der HDE Studienabbrechern und Schulabgängern im Rahmen einer großangelegten multimedialen Nachwuchskampagne die Vielfältigkeit moderner Ausbildungsberufe im Handel auf und macht attraktive Karrierewege sichtbar. Der Fachkräftebedarf ist riesig, branchenweit sind mehr als 100.000 Stellen unbesetzt.
 
Was wir brauchen, ist eine zeitgemäße Bildungspolitik, die junge Menschen gezielt auf den Einstieg in das Arbeitsleben vorbereitet. Wir brauchen eine bessere und gleichberechtigte Berufsorientierung an allen allgemeinbildenden Schulen, die den Stellenwert einer dualen Ausbildung erhöht und deutlicher herausstellt. Es geht um ein grundsätzliches Umdenken, um strukturelle Verbesserungen im Bildungssystem voranzubringen. Dafür ist eine engere Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern notwendig, gefragt ist jetzt eine nationale Kraftanstrengung.
 
Nur wenn mehr junge Menschen die Chancen von Ausbildungsberufen erkennen, können wir gemeinsam die Fachkräftesicherung im Handel und in anderen Wirtschaftsbranchen zukunftsfest gestalten.
 
Mehr zur HDE-Ausbildungskampagne
 
DIE GUTE NACHRICHT
EU-Kommission will Strompreisentlastung für alle
Die hohen Strompreise belasten die Wirtschaft seit Jahren erheblich. Vor dem Hintergrund begrüßt der HDE die Forderung der EU-Kommission an die Mitgliedsstaaten, die Stromsteuer für alle auf das europäische Mindestmaß zu senken.
 
Die Bundesregierung muss endlich ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einlösen und die Stromsteuer für alle Wirtschaftszweige und Privatverbraucher absenken. Bislang hat die schwarz-rote Koalition die Stromsteuer nur für die Industrie, das produzierende Gewerbe sowie die Forst- und Landwirtschaft auf den Mindestsatz gesenkt.
 
Bei dieser Bevorzugung einzelner Wirtschaftszweige darf es nicht bleiben. Denn gerade von einer Absenkung im Einzelhandel und bei Privatverbrauchern geht eine doppelte Wirkung aus: Die Unternehmen hätten mehr Spielraum für notwendige Investitionen und die Verbraucher mehr Geld für den privaten Konsum. Das würde unmittelbar für dringend benötigte Wachstumsimpulse sorgen.

RAT UND TAT
Was der digitale Euro für den Einzelhandel bedeutet
Die Europäische Zentralbank plant die Einführung eines digitalen Euros als gesetzliches elektronisches Zahlungsmittel. Bringt er dem Einzelhandel Vorteile, oder werden unter dem Strich eher neue Pflichten und Mehrkosten stehen? Wie könnte sich der digitale Euro auf das Bargeld auswirken?
 
In der neuen Folge des HDE-Podcasts „Handelszeit“ spricht Host Frank Rehme mit drei Payment-Experten über Hintergründe, Zeitplan und Umsetzung des digitalen Euros: Enrico Köhler ist Senior Manager bei KIWI Consulting, John Albrecht verantwortet den Bereich Retail Payments beim IT-Dienstleister adesso und Ulrich Binnebößel ist beim HDE für die Bereiche Payment und Logistik zuständig.
 
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IM GESPRÄCH
Stefan Genth
HDE-Hauptgeschäftsführer
 
Herr Genth, der HDE warnt, dass Preisaktionen im Einzelhandel künftig seltener werden könnten. Was ist der Hintergrund dieser Befürchtung?
Der Europäische Gerichtshof hat mit der letzten Novelle der Preisangaben-Verordnung entschieden, dass Preiswerbung nur noch rechtskonform möglich ist, wenn der reduzierte Preis geringer ist als der günstigste Preis der letzten 30 Tage. In der Praxis kann und darf ein Händler daher dasselbe Produkt nur noch alle 30 Tage mit einem günstigen Preis bewerben. Diese neue Vorgabe ist nicht nur überflüssig, sondern schädlich.
 
Denn Preisaktionen im Einzelhandel intensivieren den Wettbewerb, fördern Preisvergleiche und tragen zur Verbraucherwohlfahrt bei. Aktionspreise sind dabei nicht nur ein kurzfristig wirksames Verkaufsinstrument, sondern bieten den Kunden dauerhaft günstige Preise. Wer die Axt an die rechtliche Zulässigkeit vieler Sonderangebote legt, erweist den Handelsunternehmen und den Verbrauchern einen echten Bärendienst.
 
Welche konkreten Folgen für Handel und Verbraucher haben sich aus dem vor rund einem Jahr ergangenen Urteil ergeben?
Eine aktuelle wissenschaftliche Studie des Instituts für Handelsforschung an der Universität Köln, die im Auftrag des HDE erstellt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass in der Vergangenheit viele Produkte häufiger im Preis herabgesetzt und beworben wurden. Die jetzige Lage ist also eine sehr schlechte Nachricht für Menschen, die mit jedem Euro rechnen müssen, um in diesen schwierigen Zeiten über die Runden zu kommen. Denn insbesondere für Haushalte mit niedrigem Einkommen haben Preisaktionen eine hohe Bedeutung und tragen zur Wohlstandssicherung durch finanzielle Entlastung bei. Die Autoren der Studie erwarten, dass mit der Rechtsprechung viele Sonderangebote in Gefahr geraten.
 
Was fordert der HDE?
Die EU hat mit der neuen Regulierung den Wettbewerb und die Verbraucherinteressen vollkommen aus den Augen verloren. Das kann so nicht stehenbleiben. Der HDE fordert eine Reform des Preisangabenrechts, die der gesellschaftlichen Bedeutung von Preiswettbewerb und Sonderangeboten gerecht wird. Unnötige Regulierungen dürfen nicht dazu führen, dass gerade die Schwächsten am Ende die Geschröpften sind und Wohlstandsverluste erleiden. Zumal die Koalitionsparteien klar vereinbart haben, umfassend Bürokratie abzubauen und überflüssige Regelungen zu streichen. Nun müssen den Worten auch Taten folgen. Der Brüsseler Regulierungswahn muss ein Ende finden. Wir brauchen auf EU-Ebene eine Änderung der Preisangaben-Richtlinie.
 
Zur Studie

DAS WAR DIE WOCHE
 
Jelena Nikolic, die HDE-Leiterin für CSR und Nachhaltigkeitspolitik, war bei der Auftaktveranstaltung des Branchendialogs Lebensmitteleinzelhandel und Ernährungsindustrie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vor Ort dabei. Der HDE ist genauso wie viele seiner großen Mitgliedsunternehmen im Lebensmittelbereich Mitglied des Branchendialogs.
 
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Mit der Bundestagsabgeordneten Mayra Vriesema von Bündnis 90/Die Grünen sprach der HDE-Bereichsleiter für Standort- und Verkehrspolitik Michael Reink über die Lage in den Innenstädten und die Städtebaunovelle.

TERMINE, TERMINE
26.03.2026
Kartenzahlung im Wandel
Handelsunternehmen, die ihren Kunden nicht die passenden Zahlverfahren anbieten, riskieren Kaufabbrüche und unzufriedene Kundschaft. Ein kostenloses Webinar des Mittelstand-Digital Zentrum Handel stellt Möglichkeiten des Bezahlens vor und beleuchtet deren Kosten sowie die Integration in die eigenen Prozesse.
 
 
 
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Bis 1. September 2026
Jetzt bewerben: Das Gesicht des Handels 2026
Mit dem Preis für das Gesicht des Handels würdigt der HDE das Engagement und die wichtige Rolle der Beschäftigten im Einzelhandel. Bewerben können sich bis zum 1.9.2026 alle, die im Einzelhandel tätig sind. Zu gewinnen gibt es eine Reise nach Berlin, 1.000 Euro Taschengeld sowie die Teilnahme am Handelskongress Deutschland.
 
 
 
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www.einzelhandel.de