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15.01.2026 
RETAIL Weekly by handelsjournalHDE - Handelsverband Deutschland
AUFREGER DER WOCHE
HDE-Konsumbarometer: Verhaltener Optimismus zum Start des Reformjahrs
Zu Beginn des neuen Jahres weht so etwas wie ein Hauch von Hoffnung durchs Land. Wie das aktuelle HDE-Konsumbarometer zeigt, blicken die befragten Verbraucherinnen und Verbraucher im Januar erstens ein bisschen optimistischer als im Vormonat auf die kommenden Wochen und sie sind zweitens etwas zuversichtlicher gestimmt als noch vor einem Jahr. Es ist nun an der Bundesregierung, diese leicht verbesserte Grundstimmung zu nutzen und durch entschlossenes Umsetzen von Strukturreformen im weiteren Jahresverlauf handfeste Sorgen und schwelende Unsicherheiten abzubauen.
 
Entscheidend ist, dass sich die Regierungsparteien im Superwahljahr mit fünf Landtagswahlen nicht vom vereinbarten Reformkurs abbringen lassen und gemeinsam notwendige Entscheidungen treffen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Menschen wollen endlich Ergebnisse in Form von deutlich verbesserten konjunkturellen Rahmenbedingungen sehen. Bis es tatsächlich so weit ist, bleiben sie weiterhin vorsichtig und halten ihr Geld lieber beisammen.
 
Zu Jahresbeginn, im Anschluss an die konsumreiche Zeit rund um Weihnachten, ist die hartnäckig anhaltende Kaufzurückhaltung besonders ausgeprägt. Die Anschaffungsneigung der Verbraucherinnen und Verbraucher sinkt im Vergleich zum Vormonat, gleichzeitig planen sie zunehmende Sparanstrengungen. Somit führt die Konsumzurückhaltung zu einer Verlagerung vom Konsumieren hin zum Sparen. Die Unberechenbarkeit der Weltpolitik sowie offene Handelskonflikte dürften ebenfalls dazu beitragen, dass viele der Befragten in den kommenden Wochen erhöhten Wert darauflegen, Finanzpolster aufzubauen.
 
Die jüngsten, relativ robusten Konjunkturkennzahlen immerhin stimmen zumindest vorsichtig optimistisch. Die Konjunkturerwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher im Januar hellen sich gegenüber dem Vormonat auf und fallen sogar besser aus als noch vor einem Jahr. Positiv schauen die Befragten auch auf die weitere Entwicklung der eigenen Einkommenssituation. In finanzieller Hinsicht starten die Menschen also hoffnungsvoll ins neue Jahr. Es gibt ein wenig Licht am Ende des Tunnels.
 
Die Konsumzurückhaltung wird sich jedoch nur dann dauerhaft legen, wenn es der Bundesregierung gelingt, eine tragfähig reformierte Basis für nachhaltiges Wachstum zu schaffen. Das ist die Voraussetzung für eine wirkliche Erholung des privaten Konsums, der für rund die Hälfte der Wirtschaftsleistung in Deutschland steht. 2026 muss darum das Jahr werden, in dem die Politik endlich die Erwartungen der Menschen erfüllt und ihre Skepsis durch positive Nachrichten des gesamtwirtschaftlichen Aufschwungs zerstreut.
 
Weitere Informationen
 
DIE GUTE NACHRICHT
Vorstoß: Union will Reform der Unternehmenssteuer vorziehen
Die Forderung der CSU, die geplante Reform der Unternehmenssteuer um zwei Jahre vorzuziehen, findet im Handel und in der Wirtschaft breite Zustimmung. Auch die CDU unterstützt den Vorstoß.
 
Im Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD darauf geeinigt, die Körperschaftssteuer erst ab dem Jahr 2028 und dann auch nur stufenweise zu senken: von aktuell 15 Prozent auf schließlich zehn Prozent im Jahr 2032.
 
Der HDE begrüßt die Initiative, weil eine frühere, rückwirkende Senkung des Körperschaftsteuersatzes die Unternehmen entlasten und ihre Investitionsbereitschaft stimulieren würde. Es wäre allerdings noch besser, wenn die Zehn-Prozent-Marke schon in dieser Legislaturperiode erreicht werden würde, um ein Signal des Aufbruchs an die Wirtschaft zu senden. Wichtig ist, dass den Worten nun Taten folgen – und dass dabei die Personenunternehmen nicht vergessen werden. Denn die Senkung des Körperschaftsteuersatzes ist nur die eine Hälfte des Investitionsboosters. Die andere ist die Senkung der Steuerlast auf einbehaltene Gewinne von Personenunternehmen. Gerade im Einzelhandel sind viele Unternehmen inhabergeführte Familienbetriebe, die dringend auf Entlastungen warten. Der HDE fordert daher, alle Tarifreformen vorzuziehen.

RAT UND TAT
HDE-Podcast „Handelszeit“: KI in der gesamten Wertschöpfungskette
Warum ist die Einführung von KI-Technologien ein unternehmensweites Change-Projekt? Wie verändert KI die klassische Wertschöpfungskette im Einzelhandel? Und welche drei Schritte sollten Händlerinnen und Händler angehen, um für die Zukunft KI-reif zu werden?
 
In der fünften Ausgabe des HDE-Podcasts „Handelszeit“ spricht Prof. Dr. Daniela Wiehenbrauk, Studiengangsleiterin und Professorin für Digital Commerce Management an der DHBW Heilbronn, über Effizienz- und Umsatzsteigerungspotenziale, KI-Agenten als Kundenschnittstelle und die Frage, warum kleine und mittlere Handelsunternehmen häufig zögern, KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette einzusetzen.
 
Jetzt reinhören

IM GESPRÄCH
Stefan Genth
HDE-Hauptgeschäftsführer
 
Herr Genth, die SPD hat am vergangenen Dienstag Vorschläge für eine Neuregelung der Erbschaftssteuer vorgelegt. Wie kommt das Konzept im Handel an?
Der HDE lehnt den Vorstoß ganz entschieden ab. Grundsätzlich trifft der interkoalitionäre Streit um die Erbschaftssteuer die Unternehmen zur Unzeit. In diesen wirtschaftlich so schwierigen Zeiten sind Debatten um Steuererhöhungen ein vollkommen falsches, ja fatales Signal. Stattdessen muss es nach mehr als drei Jahren Stillstand und Rezession zuvorderst darum gehen, unseren Standort zu stärken und die Wirtschaft anzukurbeln.
 
Wir brauchen dringend Entlastungen für Bürger und Unternehmen, um endlich die von der Bundesregierung versprochene Aufbruchstimmung zu entfachen und den privaten Konsum zu beleben.
 
Was kritisiert der Handel an den SPD-Plänen im Detail?
Im Einzelhandel ist Privatvermögen oftmals auch Unternehmensvermögen, das in die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Unternehmens fließt. Steigt die Erbschaftsteuer, geht das auf Kosten der Investitionen und damit auf Kosten der Zukunft des gesamten Unternehmens. So muss der Handel etwa in Digitalisierungsmaßnahmen investieren, um gegen die mächtige Online-Konkurrenz aus Asien bestehen zu können. Es kann doch nicht sein, dass Händler ihrem Unternehmen Kapital entziehen oder Unternehmensteile verkaufen müssen, nur um die Erbschaftssteuer und den Generationenwechsel bezahlen zu können. Bei vielen kleinen und mittleren Handelsunternehmen ist zu Recht die Sorge groß, dass ihnen mit dem Steuererhöhungsvorhaben das Aus droht.
 
In diesem Jahr steht zudem ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Thema Erbschaftsteuer an…
Aktuell ist noch unbekannt, ob und falls ja in welchem Umfang das Bundesverfassungsgericht die erbschaftsteuerlichen Regelungen als verfassungswidrig ansieht. In seinen früheren Urteilen hat das Bundesverfassungsgericht die Verschonung von Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer grundsätzlich bejaht. Die Verschonung darf nur nicht pauschal gewährt werden: Das steuerlich verschonte Unternehmensvermögen muss für die betrieblichen Erfordernisse des vererbten Unternehmens unverzichtbar sein. Dazu zählt auch der Erhalt von Arbeitsplätzen. Es ist darum widersinnig, dass die SPD die Verschonungsregeln für Betriebsvermögen abschaffen will, weil sie aus ihrer Sicht zu einer leistungslosen Vermögensbildung führen. Die Führung eines Handelsunternehmens in der zweiten oder dritten Generation und die Sicherung von Abertausenden Jobs ist alles andere als gesellschaftlich leistungslos. Zu bedenken ist außerdem, dass der von der SPD zum Ausgleich angedachte Unternehmensfreibetrag in Höhe von fünf Millionen Euro nur die kleinen Einzelhändler entlastet. In mehreren Orten tätige Filialbetriebe müssten hingegen eine weitaus höhere Belastung erwarten. Ihre Geschäfte werden sich dann in vielen Fällen nicht mehr rechnen und sie müssten womöglich für immer zusperren. Dazu darf es nicht kommen.

DAS WAR DIE WOCHE
 
Die HDE-Hauptgeschäftsführung traf sich in New York mit internationalen Kollegen bei der FIRA - Federation of International Retail Associations. Das Treffen fand im Vorfeld der Retail’s Big Show der National Retail Federation statt, bei der sich die Branche über die neuesten technologischen Trends im Einzelhandel austauscht.
 

TERMINE, TERMINE
28.01.2026
Social-Commerce-Einstieg mit KI
Shopping über soziale Medien wird für viele Verbraucherinnen und Verbraucher zur Gewohnheit. Ein kostenloses Online-Seminar des Mittelstand-Digital Zentrum Handel beleuchtet, wie KI-Tools Händlern dabei helfen, Inhalte gezielt auszuspielen, Trends frühzeitig zu erkennen und Kampagnen effizient zu optimieren.
 
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10.02.2026
Erfolgreiches Social Recruiting
Wie sollten Handelsunternehmen sich in sozialen Medien darstellen, um für jüngere Bewerberinnen und Bewerber attraktiv zu sein? Dieser Frage geht ein kostenloses Online-Seminar des Mittelstand-Digital Zentrum Handel anhand von Best-Practice-Beispielen nach. Zudem werden KI-Tools zur Content-Erstellung vorgestellt.
 
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www.einzelhandel.de