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16.07.2026 
RETAIL Weekly by handelsjournalHDE - Handelsverband Deutschland
AUFREGER DER WOCHE
Im Stimmungstief: Handel fordert bessere Rahmenbedingungen
Die Kosten für Beschäftigung, Energie und Wareneinkäufe steigen, die Umsätze stagnieren und für Optimismus besteht derzeit kein Grund: Es sind zutiefst ernüchternde Ergebnisse, die unsere aktuelle HDE-Umfrage zur Lage der Branche unter rund 600 Handelsunternehmen zutage fördert. Vor allem die anhaltende Kaufzurückhaltung macht dem Handel zu schaffen. So liegt die Verbraucherstimmung auf dem Niveau des zweiten Corona-Lockdowns und die Situation ist noch dramatischer als sie es im eher bescheidenen Vorjahr bereits war.
 
Die Politik steht damit weiterhin unter stark erhöhtem Handlungsdruck, die Rahmenbedingungen für die Branche rasch zu verbessern. Nach unserer Konjunkturumfrage bewerten 42 Prozent der befragten Betriebe ihre derzeitige Geschäftslage als schlecht. 45 Prozent schätzen sie als befriedigend, nur zwölf Prozent als gut ein. Bei 63 Prozent der Befragten hat sich die Geschäftslage im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verschlechtert, vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 51 Prozent. Unter dem Strich stehen damit im Vergleich zum Vorjahr häufig rückläufige Gewinne, von denen 69 Prozent der Teilnehmer berichten.
 
Die Aussichten auf die kommenden Monate fallen nicht besser aus: 65 Prozent der Befragten rechnen für das laufende Jahr mit Umsätzen leicht oder deutlich unter Vorjahr, im vergangenen Jahr lag dieser Wert bei 53 Prozent. Nur 18 Prozent gehen von Umsatzsteigerungen im Vergleich zu 2025 aus. Die Menschen halten ihr Geld lieber beisammen, denn niemand kann absehen, wie sich der Irankrieg und weitere internationale Krisenherde entwickeln. Prognosen zufolge wird der private Verbrauch in diesem Jahr nur um 0,4 Prozent zulegen. Die Politik muss sich darum auf die Stärkung der Binnenkonjunktur fokussieren, denn die kann sie mit den richtigen Maßnahmen selbst positiv beeinflussen. Die Deckelung der Lohnnebenkosten bei maximal 40 Prozent, wie vom HDE immer wieder mit Nachdruck gefordert, ist dabei ein notwendiger und längst überfälliger Schritt auf dem Weg aus der Wirtschaftskrise.
 
Der HDE hält angesichts der aktuellen Lage an seiner bereits Anfang des Jahres getroffenen Prognose für das laufende Jahr fest und kalkuliert somit mit einem nominalen Umsatzplus im Einzelhandel in Deutschland von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Reales, um Preissteigerungen bereinigtes Wachstum vermag nur der Online-Handel zu generieren.
 
Der Einzelhandel ist wichtiger Wirtschaftsfaktor und eine wichtige Säule für die gesamte Gesellschaft. Das große Engagement der Branche in den Innenstädten, in der kommunalen Arbeit vor Ort und in Ehrenämtern ist für alle unverzichtbar. Auch deshalb muss die Politik nun sehr schnell die richtigen Entscheidungen treffen und umsetzen, um die Rahmenbedingungen zu verbessern. Wir brauchen eine Aufbruchstimmung, die den vielschichtigen Krisen-Nachrichten hoffnungsvolle Zuversicht entgegensetzt.
 
 
DIE GUTE NACHRICHT
HDE-Forderung nach Erhalt der Minijobs findet Widerhall bei der CSU
In der aktuellen Diskussion um die geplante Abschaffung der Minijobs im Rahmen der Rentenreform hat sich Markus Söder klar positioniert. So bekräftige der CSU-Parteichef kürzlich erneut, dass Minijobs einschließlich ihres sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus erhalten bleiben sollen. Schon in der vergangenen Woche hatte sich der HDE, gemeinsam mit weiteren Wirtschaftsverbänden, in einem Brandbrief an die Bundesregierung gewandt, um vor den weitreichenden Folgen eines gefährlichen Irrwegs zu warnen.
 
Nach den Vorschlägen einer Regierungskommission für die Rentenreform der schwarz-roten Koalition sollen Minijobs künftig in die Rentenversicherung einbezogen und ihr steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Sonderstatus abgeschafft werden. Das würde hunderttausende der wegen ihres optimierten Brutto-Netto-Effekts so beliebten Jobs allein im Einzelhandel vernichten. Für die Branche spielen flexibel einsetzbare Minijobber eine wichtige Rolle, um die Versorgung der Verbraucher sicherzustellen. Der versprochenen Rückendeckung aus der CSU für den Erhalt der Minijobs müssen nun rasch Taten folgen, damit die Unternehmen und Millionen Menschen in Deutschland Planungssicherheit haben.
 
Zum Brandbrief

RAT UND TAT
Wie Agentic Commerce den Einkauf verändert
Was ist der Unterschied zwischen KI-Agenten und agentischer KI? Wie bleiben Händler im Spannungsfeld von klassischer SEO und AI Optimization sichtbar? Und was sind eigentlich KI-generierte Fakeshops? Sich zwischen all diesen Begriffen zurechtzufinden, fällt nicht immer leicht.
 
Die neue Folge des HDE-Podcasts „Handelszeit“ schafft Übersicht: Host Frank Rehme spricht mit Dara Kossok-Spieß, Bereichsleitung Digitalisierung und Netzpolitik beim HDE, über Datenqualität und Datenschutz, autonome Kaufentscheidungen und digitale Souveränität sowie über die Frage, wie sich Händler bereits heute auf die Zukunft vorbereiten können.
 
Jetzt reinhören

IM GESPRÄCH
Stefan Genth
HDE-Hauptgeschäftsführer
 
Herr Genth, warum ist eine Politik, die den Einzelhandel stärkt, unabdingbar für den Wirtschaftsstandort?
Der Handel beschäftigt mehr als drei Millionen Menschen und bietet rund 150.000 Ausbildungsplätze, jeder zwölfte Arbeitsplatz in Deutschland ist mit unserer Branche verbunden. Das sind beeindruckende Zahlen, die einen klaren politischen Schluss zulassen: Wer den Handel stärkt, sorgt für Beschäftigung. Darüber hinaus strahlen die Leistungen des Einzelhandels auch auf andere Wirtschaftszweige ab. So realisiert der Handel selbst eine Wertschöpfung in Höhe von 135 Milliarden Euro.
 
Mit Blick auf die Einbindung in vor- und nachgelagerte Wirtschaftsstufen im Rahmen eines komplexen Wertschöpfungsprozesses summiert sich die Wertschöpfungsleistung des Einzelhandels im weiteren Sinne auf 315 Milliarden Euro. Damit ist die drittgrößte Wirtschaftsbranche in unserem Land der entscheidende Treiber der Binnenwirtschaft.
 
Wie lässt sich die gesellschaftliche Bedeutung des Einzelhandels bemessen?
Der Einzelhandel bringt die Menschen ins Gespräch und hält das soziale Leben am Laufen. So kaufen täglich 50 Millionen Verbraucher im Fachgeschäft, im Fachmarkt, im Kaufhaus, im Supermarkt und Discounter, beim Gemüsehändler, am Kiosk und im Internet ein. Es ist vor allem der Handel, der Leben in die Innenstädte bringt und sie damit zu gesellschaftlich unverzichtbaren Orten der Begegnung und der Identifikation erhebt. Rund 80 Prozent der Händler engagieren sich auch außerhalb ihrer Unternehmen, beispielsweise bei Vereinen, Festen, Stadtmarketing oder Sportevents. Die gesamte Branche erbringt jährlich ein Gemeinwohl-Engagement im Gegenwert von etwa einer Milliarde Euro.
 
Was fordert der HDE?
Die Bundesregierung hat endlich den Reformkurs eingeschlagen, diesen Weg gilt es nun konsequent fortzusetzen. Der Handel wartet gerade bei den Entlastungen dringend auf den großen Wurf, der den privaten Konsum spürbar ankurbelt und damit die Binnenkonjunktur belebt. Kommende Reformpakete müssen daher den Bürokratieabbau weiter vorantreiben und in ihrer Gesamtheit zur Stabilisierung der Sozialsysteme sowie zu mehr Investitionen in Deutschland führen. Insbesondere brauchen wir eine Rückführung und auch dauerhafte Deckelung der Lohnnebenkosten bei 40 Prozent und eine Senkung der Stromsteuer für alle Unternehmen.
 
Zur Broschüre

DAS WAR DIE WOCHE
 
Staffelübergabe im HDE-Büro Brüssel: Seit dem 1. Mai 2026 verantwortet Geschäftsführer Christian Staat die europapolitische Arbeit des HDE und übernimmt damit die Nachfolge von Antje Gerstein, die ihre Expertise auch künftig in die Verbandsarbeit einbringen wird.
 
Wie ist die Lage im Einzelhandel nach dem ersten Halbjahr 2026? Wie ist die Stimmung bei den Unternehmen und was erwartet der Einzelhandel von der Politik? Antworten auf diese Fragen gaben HDE-Präsident Alexander von Preen und HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth bei der HDE-Halbjahrespressekonferenz in Berlin.
 
Weitere Informationen

TERMINE, TERMINE
27.07.2026
KI in 30 Minuten
Keine Angst vor Künstlicher Intelligenz: Ein Vortrag des Mittelstand-Digital Zentrum Handel führt praxisnah vor, wie KI bereits innerhalb von 30 Minuten einsatzfähig gemacht werden kann, um unmittelbar Mehrwert zu schaffen – ohne große technische Vorkenntnisse oder riesige Budgets. Die Teilnahme an dem Webinar ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich.
 
 
 
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01.09.2026
Gesucht: Das Gesicht des Handels 2026
Mit dem Preis für das Gesicht des Handels würdigt der HDE alljährlich die wichtige Rolle der Beschäftigten im Einzelhandel im Rahmen des Handelskongresses Deutschland. Zu gewinnen gibt es eine Reise nach Berlin, zwei Hotelübernachtungen, 1.000 Euro Taschengeld und spannende Begegnungen in der Hauptstadt. Bewerben können sich alle im Einzelhandel Beschäftigten bis zum 1. September.
 
 
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www.einzelhandel.de