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30.04.2026 
RETAIL Weekly by handelsjournalHDE - Handelsverband Deutschland
AUFREGER DER WOCHE
Tarifverhandlungen: Gewerkschaftsforderungen gefährden Arbeitsplätze
 
Die Wirtschaft ist in einer schweren Krise, die Kosten für Personal und Energie explodieren und die Konsumstimmung trübt sich weiter ein: Das ist die aktuelle Lage in unserem Land, die sich jedoch im bisherigen Verlauf der ersten Tarifrunde für den Einzelhandel nicht widerspiegelt. Im Gegenteil: Die völlig überzogenen Forderungen von ver.di stehen in einem krassen Widerspruch zur Realität. So geht es nicht. Wir als Arbeitgeber erwarten, dass die Gewerkschaft die Zeichen der Zeit erkennt und Verantwortungsbewusstsein beweist, indem sie deutlich von ihren Maximalforderungen Abstand nimmt. So appelliert der Handel erneut und nachdrücklich an die Gewerkschaft, die langfristigen und ernsten Folgen ihrer überhöhten Forderungen zu überdenken.
 
Es kann doch nicht im Interesse der Arbeitnehmer sein, wenn zahlreiche Unternehmen wegen zu hoher Lohnkosten für immer schließen müssen. Wie groß die Existenzsorgen vieler Handelsunternehmen sind und wie viele Arbeitsplätze mit Blick auf den weiteren Verlauf der Tarifverhandlungen auf dem Spiel stehen, zeigt eine aktuelle HDE-Trendumfrage unter 436 Handelsunternehmen in Deutschland.
 
Demnach beurteilen 46 Prozent der Befragten ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht, nur zehn Prozent als gut. Seit 2022 verlor der Einzelhandel nach neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit mehr als 70.000 sozialversicherungspflichtige Jobs, damit beschleunigt sich die Dynamik beim Stellenabbau in der Branche weiter. Dazu berichten 93 Prozent der Unternehmen von massiv gestiegenen Kosten in den vergangenen beiden Jahren, im Bereich Personal (83 Prozent) und bei der Energie (74 Prozent) ist der Druck am höchsten. Entlastung ist nicht in Sicht: 96 Prozent der Handelsunternehmen rechnen in den kommenden beiden Jahren mit weiter steigenden Kosten. Und eine große Mehrheit von 62 Prozent der Umfrageteilnehmer erwartet in diesem Jahr geringere Umsätze als im Vorjahr. Das sind alarmierende Werte.
 
Diese äußerst schwierige Lage bleibt nicht ohne Folgen: Viele Unternehmen sehen sich gezwungen, ihre Belegschaften zu verkleinern. Laut Umfrage planen bereits heute 51 Prozent der Händler mit mehr als 100 Mitarbeitern, die Zahl ihrer Mitarbeiter in diesem Jahr zu verringern. Die Gewerkschaft muss erkennen, dass sie diese Effekte durch ihre überzogenen Maximalforderungen deutlich verstärken wird. Ver.di sollte in dieser Situation doch ein großes Interesse an Stabilität und Kooperation haben. Das vermissen wir allerdings bisher.
 
Es wird daher Zeit, dass ver.di auf den Boden der Tatsachen zurückkehrt. Nach insgesamt 14 Prozent Gehaltserhöhung über die Laufzeit von 2023 bis 2025 ist bei dieser Tarifrunde Zurückhaltung gefragt. Es gibt keine Spielräume mehr, denn viele Händler stehen bereits mit dem Rücken zur Wand.
 
 
DIE GUTE NACHRICHT
EU-Energiepaket beinhaltet neue Möglichkeiten für Stromsteuersenkungen
Die Europäische Kommission hat in der vergangenen Woche das Strategiepapier AccelerateEU vorgestellt, um Unternehmen und Bürger angesichts der infolge des Iran-Kriegs immer weiter steigenden Energiekosten zu entlasten. Die Pläne sehen unter anderem vor, den Mitgliedstaaten noch mehr Spielraum bei der Absenkung der Stromsteuer zu geben. Aus Sicht des HDE zeigt Brüssel damit Problembewusstsein – und setzt die Bundesregierung unter erhöhten Handlungsdruck.
 
Entscheidend ist nun, dass die Regierungskoalition die neuen Möglichkeiten, die das EU-Energiepaket gibt, auch umgehend ergreift. Denn der Handel ist von den Kostensteigerungen doppelt betroffen: Zum einen steigen die Energiekosten in den Lieferketten und im eigenen Unternehmen, zum anderen bleibt den Verbrauchern weniger Geld für den Konsum. Die Vorschläge der EU-Kommission für Energiehilfen sind einSignal an die Bundesregierung, endlich ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einzulösen. Wir brauchen Stromsteuersenkungen für alle, nicht nur für einige privilegierte Industriebereiche.

RAT UND TAT
Merkblatt: Betriebsratswahl im Fokus
In Betrieben mit in der Regel mindestens fünf ständig wahlberechtigten Arbeitnehmern, von denen drei wählbar sind, können Betriebsräte gewählt werden. Welche Gruppen von Arbeitnehmern sind wahlberechtigt? Wer kann gewählt werden und wie genau wird die Wahl vorbereitet und durchgeführt?
 
Ein vom Expertenkreis Arbeitsrecht des HDE ausgearbeitetes Merkblatt stellt in kompakter Übersicht allgemeine Grundsätze für die Betriebsratswahl zusammen. Im Fokus stehen das Regelwahlverfahren und das vereinfachte Wahlverfahren für Kleinbetriebe. Zudem thematisiert das Merkblatt rechtliche Fragen rund um Wahlanfechtung und besonderen Kündigungsschutz.
 
Zentralmitglieder des HDE erhalten das Dokument gerne auf Anforderung per Mail, alle anderen Mitglieder der Handelsverbände auf Anforderung bei ihrem Landesverband.
 

IM GESPRÄCH
Antje Gerstein
Frau Gerstein, das Bundesumweltministerium hat Eckpunkte zur Umsetzung der erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien und Schuhe vorgelegt. Wie ist das Papier einzuschätzen?
Aus Sicht des HDE und seines Bundesfachverbands BTE Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren geht das Eckpunktepapier für ein Textilgesetz in die richtige Richtung. Das Umweltministerium liefert damit erste Anhaltspunkte, wie Hersteller künftig für die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Alttextilien und Altschuhen finanziell aufkommen sollen.
 
Dabei ist deutlich zu erkennen, dass das Papier die unterschiedlichen Interessenlagen sorgfältig zusammenführt und die richtigen Schlüsse aus den bisherigen Erfahrungen mit Regelungen zu Verpackungen, Altgeräten und Batterien gezogen hat. Auf dieser Grundlage lässt sich gut weiter diskutieren.
 
Welche wichtigen Punkte werden in der Stellungnahme gemacht, die HDE und BTE gemeinsam beim Ministerium eingereicht haben?
Wir bewerten es sehr positiv, dass das Umweltministerium nun den Grundstein für eine bürokratiearme und praxisnahe Umsetzung gelegt hat. Insbesondere ist sehr gut, dass hier frühzeitig die betroffenen Akteure mit ins Boot geholt werden, um ein System aufzubauen, das umsetzbar und an den europäischen Vorgaben orientiert ist. Gleichzeitig sehen wir allerdings noch Gestaltungsspielraum, vor allem in Bezug auf das Mitspracherecht und die Entscheidungsbefugnisse der betroffenen Hersteller. Wenn die Unternehmen das System bezahlen, müssen sie auch Einfluss auf die Ausgestaltung haben.
 
Die Stellungnahme macht auch konkrete Vorschläge, wie eine Umsetzung aus Sicht der Händler und Hersteller aussehen kann…
Es ist absolut notwendig, die Hersteller umfassend einzubeziehen sowie eine schlanke Ausgestaltung des Textilgesetzes sicherzustellen. Bei der Registrierung macht es Sinn, auf etablierte und bewährt funktionierende Systeme zu setzen, die bereits über Erfahrungen mit dem Registrierungsprozess verfügen. Zudem sollte im weiteren Umsetzungsprozess ein Schwerpunkt darauf gelegt werden, verschiedene Produktgruppen, insbesondere aus dem Schuh- und dem Heimtextil-Segment, mit ihren individuellen Anforderungen fair zu adressieren. Dafür setzen wir uns ein und bauen auch hier auf eine Lösungsfindung, die allen Beteiligten gerecht wird.
 
Die Stellungnahme finden Sie hier

DAS WAR DIE WOCHE
 
Das HDE-Präsidium diskutierte mit dem ersten parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion Dirk Wiese und im Anschluss mit dem ersten parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Steffen Bilgert über die aktuelle politische Lage und die Rahmenbedingungen für den Einzelhandel.
 
Wie geht es dem Einzelhandel? Was braucht die Branche von der Politik? Diese Fragen standen im Zentrum eines Gesprächs zwischen dem SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf und HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

TERMINE, TERMINE
16.06.2026
Cross-Border E-Commerce
Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen erfüllen, um für den grenzüberschreitenden E-Commerce gerüstet zu sein? Welche kulturellen Besonderheiten und rechtlichen Anforderungen sind zu berücksichtigen? Ein kostenloses Webinar des Mittelstand-Digital Zentrum Handel zeigt, wie auch KMU ihr Geschäft internationalisieren können.
 
 
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30.06.2026
B2B E-Commerce
Der digitale Handel zwischen Unternehmen entwickelt sich rasant, die Anzahl der relevanten B2B-Onlineshops steigt und die Wettbewerbssituation verschärft sich. Ein kostenloses Online-Seminar des Mittelstand-Digital Zentrum Handel beleuchtet die Trends und thematisiert, wie sich die Kundenansprüche im B2B-Handel wandeln. Eine Anmeldung ist erforderlich.
 
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www.einzelhandel.de