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05.02.2026 
RETAIL Weekly by handelsjournalHDE - Handelsverband Deutschland
AUFREGER DER WOCHE
HDE-Jahresprognose: Hohe Kosten würgen das Wachstum ab
Der Einzelhandel steht vor einem herausfordernden Jahr: Die Rahmenbedingungen sind nach wie vor ausgesprochen schwierig, eine nachhaltige Erholung des privaten Konsums lässt weiter auf sich warten und die Stimmung in der Branche ist miserabel. Mit Blick auf dieses Umfeld geht der HDE in seiner am vergangenen Montag vorgestellten Prognose für das laufende Jahr von einem nominalen Umsatzplus von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus, real bedeutet das lediglich ein Plus in Höhe von einem halben Prozent. 2026 startet für den Handel ohne Schwung und mit viel Luft nach oben.
 
Wie schlecht es um die Stimmung in den Unternehmen bestellt ist, führt unsere aktuelle HDE-Umfrage unter rund 600 Händlerinnen und Händlern vor Augen: 37 Prozent der Befragten sprechen von einer schlechten Geschäftslage, das sind vier Prozentpunkte mehr als noch im Vorjahr. 49 Prozent bewerten die eigene Lage als befriedigend, 14 Prozent als gut. Bescheiden fallen auch die Erwartungen an die Umsatzentwicklung für das laufende Jahr aus:
 
49 Prozent der Befragten rechnen mit Umsätzen leicht oder deutlich unter Vorjahr. 29 Prozent gehen von Umsätzen auf Vorjahresniveau aus, nur 23 Prozent rechnen mit Umsatzsteigerungen. Dabei ist der Optimismus in den Branchen Lebensmittel, Drogerieartikel, Möbel und Spielwaren überdurchschnittlich groß, die Bereiche Bekleidung, Schuhe und Baumärkte sind besonders pessimistisch.
 
Wachstumstreiber bleibt auch in diesem Jahr einmal mehr der Online-Handel. In diesem Bereich werden die Umsätze laut HDE-Prognose im Vorjahresvergleich um 4,4 Prozent zulegen, das steht für ein reales Plus in Höhe von 3,5 Prozent. Die Umsätze im Einzelhandel in Deutschland 2026 werden damit voraussichtlich bei 697,4 Milliarden Euro liegen, der Online-Handel wird dazu 96,3 Milliarden Euro beitragen.
 
Um es vorsichtig zu formulieren: Nach dem großen Aufatmen im Einzelhandel sieht es derzeit nicht aus. Wir brauchen jetzt eine echte Aufbruchsstimmung. Die Regierung steht in der Verantwortung, mit den richtigen Maßnahmen einen Aufwärtstrend auszulösen und zu verstetigen. An welchen Stellschrauben zu drehen ist, macht unsere HDE-Umfrage klar: Die Handelsunternehmen hoffen vor allem auf Erleichterung beim Thema Bürokratie und Entlastungen im Zuge der schon oft angekündigten Einkommensteuerreform, um die anhaltende Kaufzurückhaltung zu mindern.
 
Kopfschmerzen machen den Händlern insbesondere die steigenden Kosten. Hier braucht es schnell Entlastungen, die auch tatsächlich in den Unternehmen ankommen: So muss die Stromsteuer endlich zeitnah und wie versprochen für alle gesenkt werden. Und bei den Sozialversicherungsbeiträgen muss, wie wiederholt vom Handel gefordert, eine dauerhafte 40-Prozent-Obergrenze gelten. Denn was passiert, wenn die Arbeitskosten beim Beschäftigungsmotor Einzelhandel weiter steigen, wird in der HDE-Umfrage ebenfalls überdeutlich: Für diesen Fall gehen 77 Prozent der Befragten von negativen Beschäftigungseffekten aus. Die Politik ist gewarnt.
 
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DIE GUTE NACHRICHT
Valentinstag: Einzelhandel rechnet mit Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro
Zum Tag der Verliebten am 14. Februar planen 20 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher den Einkauf von Präsenten, die die Herzen höherschlagen lassen. Das zeigt eine aktuelle HDE-Umfrage. Der Verband rechnet in diesem Jahr mit zusätzlichen anlassbezogenen Umsätzen rund um den Valentinstag in Höhe von 1,18 Milliarden Euro.
 
Um ihren Liebsten eine Freude zu machen, greifen die Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem zu Blumen und Pflanzen sowie zu Lebensmitteln. Aber auch Geschenkgutscheine, Dekoartikel und Kosmetikartikel sowie Uhren und Schmuck werden zu diesem Anlass häufig gekauft. 59 Prozent der Befragten lassen sich ihre Liebesgrüße gleich viel kosten wie im Vorjahr. Mehr als ein Fünftel der Befragten plant hingegen, weniger auszugeben als 2025. Insgesamt erwartet der Handel einen etwas geringeren Umsatz, da Valentinstag und Karnevalssamstag in diesem Jahr auf einen Tag fallen. Jeder zwölfte befragte Konsument gibt daher an, lieber Karnevalsausgaben zu tätigen. Auch die kommen in einigen Bundesländern von Herzen.
 
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RAT UND TAT
KI-Schulung für den Handel – weiter im Angebot der zbb
Handelsunternehmen, die KI-Systeme einsetzen oder in Zukunft nutzen möchten, müssen ihr Personal gesetzeskonform qualifizieren. So schreibt es die EU-KI-Verordnung (AI Act) vor. Die Fortbildungspflicht gilt für alle Mitarbeitenden, die mit KI arbeiten, und umfasst technische, rechtliche und ethische Schulungsaspekte.
 
Die zbb – Zentralstelle für Berufsbildung im Handel e. V. bietet auch in diesem Jahr eine entsprechende KI-Schulung an. Händler, Mitarbeitende oder Führungskräfte erhalten einen kompakten Überblick über Themen wie Datenschutz, KI-Risikoklassen, Transparenzpflichten, praktische Anwendung und Eigenverantwortung im Unternehmen. Absolventen erhalten ein zbb–Zertifikat, das ihre Teilnahme an der KI-Schulung offiziell belegt.
 
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IM GESPRÄCH
Stefan Genth
HDE-Hauptgeschäftsführer
 
Herr Genth, wie steht es aktuell um die Verbraucherstimmung?
Die Verbraucherstimmung ist im Februar so gut wie zuletzt im Sommer des vergangenen Jahres. Wie das aktuelle HDE-Konsumbarometer zeigt, hält der positive Trend aus dem Vormonat damit zum zweiten Mal in Folge an.
 
Diese Stimmungsaufhellung ist durchaus bemerkenswert, sorgen derzeit doch insbesondere geopolitische Turbulenzen für viel Unsicherheit. Abzuwarten ist nun, ob die Verbraucherinnen und
Verbraucher in Deutschland sich auch in den kommenden Wochen von den Entwicklungen eher unbeeindruckt zeigen und sich der Aufwärtstrend dadurch weiter fortsetzen sowie verstetigen kann. Insgesamt betrachtet bleibt das Stimmungsniveau aber weiterhin schwach und weit unter dem Vor-Corona-Niveau.
 
Woher rührt die wachsende Zuversicht der Verbraucherinnen und Verbraucher?
Die Menschen blicken deutlich optimistischer auf die weitere gesamtwirtschaftliche Entwicklung: Ihre Konjunkturerwartungen legen sowohl im Vergleich zum Vormonat als auch im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Dieser Optimismus spiegelt sich auch in ihren Erwartungen für die eigene Einkommenssituation wider, die sich ebenfalls erhöhen. Allerdings haben die Verbraucherinnen und Verbraucher deshalb nicht vor, weniger zu sparen, die Sparneigung verbleibt nahezu auf dem Vormonatsniveau. Auch die Kaufzurückhaltung nimmt nicht spürbar ab, vielmehr steigt die Anschaffungsneigung nur minimal.
 
Was bedeutet das für die Entwicklung des privaten Konsums?
Die Zeit des sich abschwächenden privaten Konsums scheint erst einmal vorbei. Es ist davon auszugehen, dass die Kauflaune in den nächsten Monaten steigen wird. Bevor jedoch eine merkliche Erholung mit deutlichem Wachstum einsetzt, müssen sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen noch deutlich verbessern. Dass die Verbraucherinnen und Verbraucher auch dank staatlicher Ausgabenprogramme Hoffnung auf eine Rückkehr des gesamtwirtschaftlichen Wachstums haben, lässt den positiven Stimmungstrend anhalten. Allerdings nimmt die Verunsicherung vor dem Hintergrund der sich unwägbar vollziehenden Neuordnung der Welt nur langsam ab. Eine spürbare Erholung des privaten Konsums ist erst dann zu erwarten, wenn die Verbraucher die Chance für einen nachhaltigen Konjunkturaufschwung sehen.
 
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DAS WAR DIE WOCHE
 
Der HDE-Vorstand diskutierte in Brüssel mit dem EU-Kommissar für Inneres und Migration Magnus Brunner über die Situation im Einzelhandel und die politischen Forderungen der Branche.
 
 
 
 
Mit dem parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Johann Saathoff sprach HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth über die aktuelle Lage im Einzelhandel und die Forderungen der Branche.

TERMINE, TERMINE
26.02.2026
Forum Wirtschaft und Verbraucher 2026
Aktuelle Herausforderungen der nationalen und europäischen Verbraucherpolitik vor dem Hintergrund der EU-Verbraucheragenda 2025-2030 stehen auf dem Diskussionsprogramm des vom HDE mitpräsentierten Forum Wirtschaft und Verbraucher am 26. Februar in Berlin.
 
 
 
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25.02.2026
Nachhaltig erfolgreich im Einzelhandel
Wie effiziente und ressourcenschonende Handelslogistik zur Reduzierung von Emissionen und Kosten beitragen kann, beleuchtet ein kostenfreies Online-Seminar des Mittelstand-Digital Zentrum Handel. Teilnehmende erhalten konkrete Vorschläge und praxisnahe Impulse, um Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb umzusetzen.
 
 
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www.einzelhandel.de